ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2018Persistierendes Foramen ovale: Das Schlaganfallrisiko ist bei allgemeinchirurgischen Eingriffen erhöht

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Persistierendes Foramen ovale: Das Schlaganfallrisiko ist bei allgemeinchirurgischen Eingriffen erhöht

Dtsch Arztebl 2018; 115(31-32): A-1441 / B-1216 / C-1208

Vetter, Christine

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Foto: Santiago Nunez/stock.adobe.com
Foto: Santiago Nunez/stock.adobe.com

Der Frage, ob Patienten mit präoperativ bekanntem persistierenden Foramen ovale (PFO) ein erhöhtes Risiko für einen perioperativen ischämischen Schlaganfall haben, sind US-Forscher in einer retrospektiven Kohortenstudie nachgegangen. Ausgewertet wurden die Daten von 150 198 Patienten im durchschnittlichen Alter von 55 Jahren, bei denen ein nicht kardiologischer chirurgischer Eingriff unter Vollnarkose erfolgte. Bei 1 % der Patienten war präoperativ ein PFO mittels Echokardiografie diagnostiziert worden.

Es trat bei insgesamt 0,6 % der Patienten innerhalb von 30 Tagen postoperativ ein ischämischer Schlaganfall auf. Bei Patienten mit PFO betrug die Rate 3,2 %, in der Gruppe ohne PFO nur 0,5 %. Damit ergibt sich ein signifikant erhöhtes Schlaganfallrisiko bei Patienten mit bekanntem PFO (adjustierte Odds Ratio: 2,66; [95-%-Konfidenzintervall] [95-%-KI] [1,96; 3,63]; p < 0,001). Den Daten zufolge kommen auf 1 000 operierte PFO-Patienten 5,9 perioperative Schlaganfälle gegenüber 2,2 mit solchen Komplikationen bei Patienten ohne PFO (adjustierte absolute Risikodifferenz: 0,4 %; [0,2; 0,6]).

Für Patienten mit PFO ergab sich zusätzlich ein erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall in einem vergleichsweise großen Gefäßareal (relatives Risiko: 3,14; [2,21; 4,48]; p < 0,001) mit außerdem größeren neurologischen Defiziten.

Fazit: „Diese große retrospektive Studie dokumentiert, dass ein vordiagnostiziertes PFO mit einem relevant erhöhten Schlaganfallrisiko nach operativen Eingriffen verbunden ist“, kommentiert Professor Dr. med. Matthias Endres, Direktor der Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie an der Charité Universitätsmedizin Berlin.

Die therapeutische Konsequenz des Befundes ist aus Sicht von Endres jedoch derzeit unklar. Außerdem sollte das Resultat durch weitere Studien erhärtet werden.

Christine Vetter

Ng PY, Ng AKY, Subramaniam B, et al.:Association of preoperative diagnosed patent foramen ovale with perioperative ischemic stroke. JAMA 2018; 319: 452–62.

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