ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2018Psychotherapiebedarf: 50 Stunden pro Woche sind zu viel
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Der Beitrag von Herrn Dr. med. Sven-Dirk Schulz hat mich doch sehr verwundert. Alle Psychotherapeuten sollen 50 Stunden pro Woche arbeiten? Und nach einem Jahr haben wir alle Burn-out? Ob er ein solches Arbeitsverhalten, ein derart selbstschädigendes Verhalten auch seinen Patienten empfiehlt? Was rät er Menschen, die nach dauerhaft 50 Wochenstunden mit Burn-out zu ihm kommen? Weiter so?

Mit der Behandlung von 25–30 Stunden pro Woche direkt am Patienten, plus Vor- und Nachbereitung, Therapieplanung, Evaluation, Anträgen schreiben und dem ganzen Rest an notwendiger Bürokratie, mit Fortbildungen, Recherchen, Sprechstunden, telefonischer Erreichbarkeit usw. kommt man locker auf 40 Stunden pro Woche, eher mehr. Gut, man könnte vieles davon delegieren, aber das kostet auch, und wer kann sich eine Sprechstundenhilfe schon leisten? Zudem sind die meisten Psychotherapeuten Frauen, die sich auch noch um Kinder und Familie kümmern müssen.

Welchen Sinn macht es eigentlich, wenn wir Kollegen gegenseitig auf uns rum-
hacken, statt für gute Arbeitsbedingungen zu werben? Und unter guten Arbeitsbedingungen verstehe ich keineswegs ein Arbeitspensum von regelmäßig 50 Stunden pro Woche. Warum hat Herr Dr. med. übrigens einen halben Sitz abgegeben? Vielleicht waren auch ihm selbst dauerhaft 50 Wochenstunden zu viel.

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Monja Krämer, 10247 Berlin

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