ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2018Psychotherapiebedarf: Und es hakt doch
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Herr Schulz meint, die Versorgungsplanung im Bereich „Psychotherapie“ sei nicht zu beanstanden, Probleme entstünden einzig und allein durch die leistungsunwilligen Behandler; jeder mit vollem Versorgungsauftrag sollte 40 Patienten die Woche sehen. Es ist einfach, von anderen erhöhten Einsatz für einen Bereich einzufordern, den man gerade selber (warum wohl?) aufgegeben hat.

Ich bin seit über 16 Jahren mit Schwerpunkt „Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie“ mit vollem Versorgungsauftrag in eigener Praxis tätig. Sehen, so wie Herr Schulz es scheinbar gewohnt ist und fordert, könnte ich ohne Probleme 80 Patienten die Woche, aber psychotherapeutisch behandeln kann ich, wenn ich meine Arbeitsfähigkeit längerfristig erhalten und gute Arbeit leisten möchte, 30–35 Patienten die Woche, mehr geht nicht.

Oft habe ich beobachten können, dass Ärzte die psychotherapeutisch tätig waren, bei bestehenden Alternativen alsbald ihr Tun wieder aufgaben. Sie fragten sich, warum sie für so wenig Honorar eine dermaßen emotional hoch belastende Tätigkeit dauerhaft ausüben sollten. Festzuhalten bleibt: Es ist nicht akzeptabel, die Belastbarkeitsgrenze von Psychotherapeuten über deren Köpfe und Erfahrungen hinweg vorgeben zu wollen und als offensichtlicher Aussteiger aus der psychotherapeutischen Versorgung zu behaupten, die Versorgungsplanung sei tadellos, lediglich die leistungsunwilligen Akteure seien das Problem!

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Dr. phil. Dipl.-Psych. Günther Stolz, 58511 Lüdenscheid

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