ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2018Psychotherapeuten: Anregendes über Authentizität und andere Themen

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Psychotherapeuten: Anregendes über Authentizität und andere Themen

PP 17, Ausgabe August 2018, Seite 369

Kuck, Bernd

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Im Vorwort heißt es: „Authentizität bedeutet (. . .), die Offenheit zu besitzen, das Staunen und die Prozesshaftigkeit dem Patienten zu vermitteln und keine Sicherheit vorzutäuschen, wo keine ist. Denn Lebendigkeit von Psychotherapie lebt von Irrtum und Korrektur, von der Falsifizierbarkeit der Hypothesen: Therapieerfolg zeigt sich gerade darin, dass Foki geändert, Ziele neu definiert und Konflikte anders gedacht werden müssen.“ Das ist ein gutes Motto für den vorliegenden Text. Das Thema ist spannend und herausfordernd. Wie bewegt man sich als Psychotherapeut oder Psychotherapeutin in der Öffentlichkeit? Welche Deformierungen erleiden Psychotherapeuten in der Ausbildung? Wie ist es um den Umgang mit Humor in der Psychotherapie bestellt? Und wie geht der Psychotherapeut mit dem Thema Sexualität um, ein Thema, dass in Psychotherapien kaum noch von Belang ist, wenn es nicht zentral um Symptome der sexuellen Dysfunktion geht.

Dass der Psychotherapeut in einer relational verstandenen Psychotherapie selbstverständlich Wahrnehmungen der Patienten nicht leugnet (etwa, gerade nicht aufmerksam gewesen zu sein), ist offenbar nicht immer so, zumal dann nicht, wenn der Behandler um den Erhalt der Machtposition bangt. Hier geht es auf den ersten 70 Seiten zentral um die Authentizität, und die Lektüre ist anregend und spannend. Beispiele aus der eigenen Praxis werden eingeblendet; Kränkbarkeiten benannt, wenn das Pflegepersonal in einer Klinik den Zugang zum Patienten findet, was dem Psychotherapeuten versagt blieb. Grundsätzlich wird auch das Problem der publizierten Falldarstellungen benannt, die meist großartig gelungene Behandlungen beschreiben, was den Ausbildungskandidaten ein verzerrtes Bild realer Mühen vermittelt und ihnen Insuffizienzgefühle verschafft.

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Anregend bleibt es auch auf den nächsten 70 Seiten, wo es um Dissozialität, Gruppentherapie, den Zeitfaktor in der Psychotherapie und schließlich um den nur sehr verkürzt in die Freudʼsche Psychoanalyse eingegangenen Ödipus-Mythos geht. Und doch stellt sich bei der Lektüre Enttäuschung ein: Durch den Titel werden große Erwartungen geweckt und nur bedingt eingelöst. Im Untertitel müsste eigentlich stehen: „... und andere Aufsätze.“ Bernd Kuck

Micha Hilgers: Der authentische Psychotherapeut. Professionalität und Lebendigkeit in der Therapie. Schattauer Verlag, Stuttgart 2018, 147 Seiten, gebunden, 39,99 Euro

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