ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2018Museum Haus C.G. Jung: Das Haus am See

KULTUR

Museum Haus C.G. Jung: Das Haus am See

PP 17, Ausgabe August 2018, Seite 373

Franzen, Georg

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Seit Kurzem kann das Haus von Carl Gustav Jung und seiner Frau Emma Rauschenbach am Zürichsee besichtigt werden. Es bietet interessante Einblicke in das Leben des Psychoanalytikers.

Das Museum kann nach Voranmeldung besichtigt werden Museum Haus C.G. Jung, Seestrasse 228, 8700 Küsnacht, info@cgjunghaus.ch, http://cgjunghaus.ch Foto: Andreas Jung
Das Museum kann nach Voranmeldung besichtigt werden Museum Haus C.G. Jung, Seestrasse 228, 8700 Küsnacht, info@cgjunghaus.ch, http://cgjunghaus.ch Foto: Andreas Jung

Es ist schon ein erhabener Anblick vor der Zufahrt des Hauses am Zürichsee zu stehen, welches im Jahre 1908 Carl Gustav Jung und seine Gattin Emma Rauschenbach nach eigenen Plänen errichten ließen. Seit dem Frühjahr sind nun die Räume des Hauses zu besichtigen. Nach vorheriger Anmeldung wird Einlass gewährt und die Besucher können sich unter kundiger Führung durch die Museumsleiterin Cornelia Meyer auf eine kleine Zeitreise in die Welt des bekannten Analytikers und seiner Frau Emma Rauschenbach begeben.

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Als sie 1907 beschlossen, ein eigenes Haus zu bauen, lebte die junge Familie in Zürich, wo C.G. Jung als Oberarzt in der „Irrenanstalt Burghölzli“ tätig war. Das Erbe des verstorbenen Vaters von Emma hatte ermöglicht, die Planung eines herrschaftlichen Wohnsitzes in die Hand zu nehmen. In Küsnacht fand das Ehepaar ein für ihren Zweck geeignetes Grundstück am See – entsprechend der Vorliebe Jungs nahe beim Wasser. Zusammen mit einem Cousin, dem Architekten Ernst Fiechter, wurde der Bau konzipiert und der künftige Hausherr beteiligte sich maßgeblich. Es flossen dabei wichtige Motive aus frühen Imaginationen von Jung ein, die ihn in seinem späteren Leben beschäftigen sollten, so der Vorrang der Bibliothek vor anderen Räumen und der wehrhafte Turm. 1909 bezog die Familie ihr neues Heim an der Seestrasse. Emma ermöglichte zudem mit ihrem Vermögen, dass C.G. Jung schon im Alter von 33 Jahren seine Kliniktätigkeit aufgeben, ein unabhängiges Leben führen, sich der Forschung und den Privatpatienten widmen konnte.

Mehr als ein halbes Jahrhundert

Emma verstarb 1955 und C.G. Jung lebte bis zu seinem Tod im Jahr 1961 – mehr als ein halbes Jahrhundert – im Küsnachter Haus. Das Anwesen blieb in den Händen der Familie und ging von einer Generation an die nächste. 2002 wurde die „Stiftung C.G. Jung Küsnacht“ ins Leben gerufen, die das Haus mit dem Ziel übernahm, den Wohnsitz von Emma und C.G. Jung-Rauschenbach für die Nachwelt zu bewahren. Das „Museum Haus C.G. Jung“ soll diese Idee weitertragen.

Das neue Museum legt Wert darauf, auf die Bedeutung von Emma Rauschenbach hinzuweisen. Sie praktizierte ab 1930 in einem eigenen Praxisraum selbst als Psychoanalytikerin. Ihre Lehranalyse hatte sie bei ihrem Ehemann absolviert. Emma beschäftigte sich unter anderem mit Animus und Anima und der symbolischen Bedeutung von Motiven der Gralslegende als Archetypen und veröffentlichte dazu zwei Schriften. Trotz der bekannten Affären von Carl Gustav Jung blieb sie ihm ihr Leben lang eine bedeutsame Stütze.

Im unteren Bereich kann das Speisezimmer besichtigt werden, in dem sich die Familie aufhielt und in dem auch gespielt wurde. Über das Treppenhaus gelangen die Besucher dann in das Wartezimmer, die Bibliothek und das Behandlungszimmer von C.G. Jung. In der Bibliothek scheint der Tabakgeruch des Pfeifenrauchers immer noch präsent. Sein Behandlungszimmer erscheint eng, aber bestückt mit zahlreicher Symbolik und Büchern. Jung selbst nannte den Raum „mein kleines Kabinett“. Die Patienten nahmen Platz auf einem gemütlichen Stuhl und blickten dabei in den halbdunklen Raum zu Jung, der auf einem Stuhl an seinem Schreibtisch saß, oder schauten auf die oberen bunten Glasfenster, auf denen christliche Kreuzigungsszenen zu sehen sind.

In der Bibliothek schrieb und studierte Jung umgeben von Tausenden Büchern aus den verschiedensten Wissensgebieten. Vom Fenster aus blickte er in den Garten und direkt auf den Zürichsee. Für die Besucher ist das auch heute noch ein eindrucksvoller Blick auf den See und in die Natur. Mit seinen Patienten hat er im Sommer auch in einem geschützten Bereich im Garten gesessen, der nach seinen Entwürfen gestaltet wurde. Georg Franzen

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