ArchivDeutsches Ärzteblatt45/1999Kalziumantagonist Amlodipin: Blutdrucksenkung ohne Frequenzanstieg

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Kalziumantagonist Amlodipin: Blutdrucksenkung ohne Frequenzanstieg

Riem, Ludger

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LNSLNS Den Kalziumantagonisten bläst in den letzten Jahren ein scharfer Wind ins Gesicht, allerdings hat dabei manche Darstellung den wissenschaftlich fundierten Boden verlassen, kritisierte Dr. Hans-Peter Bestehorn (Bad Krozingen) bei einem Symposium, das von der Pfizer GmbH in Hamburg veranstaltet worden war. Sein Fazit: Die "richtigen" Kalziumantagonisten hätten im Rahmen der Hochdrucktherapie auch weiterhin einen hohen Stellenwert. Differenzierungsmöglichkeiten ergeben sich, so Bestehorn, nach der chemischen Struktur (Dihydropyridine oder Nicht-Dihydropyridine), nach dem primären Wirkungsort (Kardio- oder Gefäßselektivität) sowie nach dem pharmakokinetischen Profil der einzelnen Vertreter. Letztgenanntem Umstand mißt inzwischen auch die Deutsche Hochdruckliga in ihren Therapieempfehlungen einige Bedeutung zu.
Grundsätzlich werden Kalziumantagonisten weiterhin als Mittel der ersten Wahl für eine Hochdrucktherapie eingestuft. In einem Zusatz der Empfehlungen heißt es aber: "Aus der Gruppe der Kalziumantagonisten sollten für die Langzeittherapie der Hypertonie ausschließlich Präparate mit langsamem Wirkungseintritt eingesetzt werden." Dieser Empfehlung, so zeigt eine von Bestehorn präsentierte Statistik zum Verordnungsverhalten, kommen bundesdeutsche Ärzte bislang nur zögerlich nach.
Einem langsamen Wirkungseintritt und einer langen Wirkdauer messen Hochdruckexperten deshalb große Bedeutung zu, weil auf diese Weise der unerwünschten Sympathikusaktivierung vorgebeugt werden kann. Am einfachsten abzulesen ist diese an einem Anstieg der Herzfrequenz, der insbesondere bei Patienten mit ischämischer Herzkrankheit vermieden werden sollte. Eine Sympathikusaktivität, so berichtete der Düsseldorfer Pharmakologe Prof. Ulrich Borchard, resultiert vor allem aus schwankenden Plasmaspiegeln mit der Gefahr einer überschießenden Vasodilatation. Weitgehend konstante Plasmaspiegel auch unter täglicher Einmalgabe, eine lange Plasmahalbwertszeit zwischen 35 und 50 Stunden sowie die Tatsache, daß die Substanz ebenso langsam an ihren Rezeptor bindet, wie sie ihn verläßt, machen Amlodipin zu einem geeigneten Kandidaten für eine Hochdrucktherapie. Geeignet zur
Kombination
Tatsächlich ließ sich in klinischen Studien zeigen, daß mit dem unter dem Handelsnamen (Norvasc®) ausgebotenen Medikament eine Blutdrucksenkung gelingt, welche sogar von einem geringfügigen Abfall der Herzfrequenz begleitet wird. Amlodipin ist indes nicht der einzige Kalziumantagonist, der durch entsprechende klinische Studien den Verdacht entkräften konnte, daß sein Einsatz mehr schaden als nützen könnte. In diesem Zusammenhang erinnerte Bestehorn an die Ergebnisse der DAVIT-II-Studie (verbesserte Prognose von Postinfarktpatienten ohne manifeste Herzinsuffizienz), der Syst-Eur-Studie (Reduktion der kardiovaskulären Mortalität um 41 Prozent) und der PRAISE-Studie. Hier konnte gezeigt werden, daß Patienten mit nicht ischämisch bedingter dilatativer Kardiomyopathie von einer Behandlung mit Amlodipin sehr wohl profitieren. Bei ischämiebedingter Herzinsuffizienz wirkte sich die Behandlung - verabreicht zusätzlich zu einer Basisbehandlung mit ACE-Hemmer, Diuretikum und Digitalis - zumindest nicht nachteilig aus. Damit steht für Bestehorn außer Frage, daß die "richtigen" Kalziumantagonisten auch künftig eine tragende Säule der Hypertoniebehandlung bleiben. Dies gilt vor allem deshalb, weil es in der Hochdrucktherapie selten mit einer Monotherapie getan ist. Neben einer additiven Blutdrucksenkung erscheint eine Kombination von ACE-Hemmer und Kalziumantagonist noch aus anderen Gründen attraktiv.
So gibt es Hinweise dafür, daß sich durch eine derartige Kombination hochdruckbedingten Organschäden besser vorbeugen läßt als unter Gabe der Einzelpartner allein. In diesem Sinne jedenfalls interpretierte Bestehorn den besonders ausgeprägten Rückgang einer linksventrikulären Hypertrophie sowie die Abnahme einer vorbestehenden Mikroalbuminurie mit entsprechenden Kombinationen. Dr. med. Ludger Riem

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