ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2018Falscher Vergleich und fehlender interdisziplinärer Ansatz

MEDIZIN: Diskussion

Falscher Vergleich und fehlender interdisziplinärer Ansatz

False Comparison, and Interdisciplinary Approach Is Lacking

Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 556; DOI: 10.3238/arztebl.2018.0556a

Pistner, Hans

zu dem Beitrag Therapeutische Interventionen im Mund-Rachen-Raum bei obstruktiver Schlafapnoe Umbrella-Review zur Effektivität von intraoralen Geräten, Gaumennahterweiterung und maxillomandibulärer Umstellungsosteotomie von Dr. med. dent. Vasiliki Koretsi, Prof. Dr. Theodore Eliades, Dr. med. dent. Spyridon N. Papageorgiou in Heft 12/2018
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von Dr. med. dent. Vasiliki Koretsi, Prof. Dr. Theodore Eliades, Dr. med. dent. Spyridon N. Papageorgiou in Heft 12/2018

Koretsi und Mitarbeiter vergleichen intraorale Geräte IG (Überbegriff für die in Deutschland meist gebrauchte Abkürzung UKPS) versus Placebo und versus keine Therapie hinsichtlich Einfluss auf (1):

  • Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) (bis 5 normal, bis 15 akzeptabel)
  • erzielten Punktwert im Fragebogen „Epworth Sleepiness Scale“ (ESS) und
  • minimale Sauerstoffsättigung im Schlaf.

Dieser Vergleich ist nahezu aussagelos. Denn: Verglichen werden müssten stattdessen IG/UKPS versus kontinuierlichem positivem Atemdruck (CPAP) als Standardtherapie. Dieser Vergleich fehlt in den vorliegenden Studien vollständig. Und: Eine Senkung des AHI zum Beispiel von 60 auf 30 nützt wenig, leidet der Betroffene doch dann weiterhin am obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) mit den beschriebenen Risiken für Bluthochdruck, Schlaganfall und Reduktion der Lebenserwartung.

Erstaunliche „Kernaussagen“ werden auf Seite 206 getroffen: „Die Wirkung von . . . maxillomandibulärer Umstellungsosteotomie bei der Behandlung von obstruktiver Schlafapnoe konnte nicht durch robuste Evidenz gestützt werden.“

Vicini et al. publizierten 2010 eine prospektive randomisierte kontrollierte Studie zur bimaxillären Kiefervorverlagerung versus CPAP-Therapie. In dieser Studie wurde der Nachweis der Gleichwertigkeit beider Therapien hinsichtlich AHI und ESS geführt (2). Eine solche Studie für die IG/UKPS zum Vergleich gegen den „Goldstandard“ CPAP fehlt in der „Umbrella“-Studie. Koretsi und Kollegen sind Zahnärzte für Kieferorthopädie und stellen mit dem Titel „Therapeutische Interventionen im Mund-Rachen-Raum bei obstruktiver Schlafapnoe“ den Anspruch auf eine „Umbrella-Studie“, eine Metaanalyse von Metaanalysen. Aber ist die Uvulopalatoplastik in ihren Variationen und sind andere Eingriffe wie die elektronisch gesteuerten „Zungenstimulatoren“ keine therapeutischen Eingriffe im Mund-Rachen-Raum? Metaanalysen in der Schlafmedizin sollten interdisziplinär mit Beteiligung der anderen medizinischen Disziplinen wie Abdominalchirurgie, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kardiologie, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Neurologie und Pulmologie erstellt werden.

Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Hans Pistner

Referat Schlafmedizin der DGMKG

99094 Erfurt

Hans.Pistner@online.de

1.
Koretsi V, Eliades T, Papageorgiou SN: Oral interventions for obstructive sleep apnea—an umbrella review of the effectiveness of intraoral appliances, maxillary expansion, and maxillomandibular advancement. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 200–7 VOLLTEXT
2.
Vicini C, Dallan I, Campanini A, et al.: Surgery vs ventilation in adult severe obstructive sleep apnea syndrome. Am J Otolaryngol 2010; 31: 14–20 CrossRef MEDLINE
1.Koretsi V, Eliades T, Papageorgiou SN: Oral interventions for obstructive sleep apnea—an umbrella review of the effectiveness of intraoral appliances, maxillary expansion, and maxillomandibular advancement. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 200–7 VOLLTEXT
2.Vicini C, Dallan I, Campanini A, et al.: Surgery vs ventilation in adult severe obstructive sleep apnea syndrome. Am J Otolaryngol 2010; 31: 14–20 CrossRef MEDLINE

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