ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2018Gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung: Krankenkassenkosten für Medizinalcannabis explodieren

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Gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung: Krankenkassenkosten für Medizinalcannabis explodieren

Dtsch Arztebl 2018; 115(33-34): A-1456 / B-1230 / C-1222

Gießelmann, Kathrin

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Für Medizinal - cannabis gaben die Krankenkassen im April 2018 rund 5,36 Millionen Euro aus. Foto: Elena/stockadobecom
Für Medizinal - cannabis gaben die Krankenkassen im April 2018 rund 5,36 Millionen Euro aus. Foto: Elena/stockadobecom

Die Kosten für Medizinalcannabis sind stark gestiegen: Während die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) im Juni 2017 noch 2,31 Millionen Euro für Cannabis-haltige Fertigarzneimittel, -zubereitungen und -blüten ausgegeben hat, lag der Bruttoumsatz für Cannabisausgaben im April 2018 bereits bei etwa 5,36 Millionen Euro. Das teilte der GKV-Spitzenverband auf Anfrage des Deutschen Ärzteblattes mit. Den mit Abstand größten Kostensprung haben unverarbeitete Cannabisblüten gemacht. Der Bruttoumsatz hat sich zwischen Juni 2017 und April 2018 bereits mehr als verfünffacht – von fast 412 000 Euro pro Monat auf 2,33 Millionen Euro. Für cannabishaltige Zubereitungen geben die Krankenkassen inzwischen doppelt so viel aus wie noch im vergangenen Jahr (Juni 2017: 839 495 Euro versus April 2018: 1,707 Millionen Euro). Im Vergleich dazu war der Bruttoumsatz für Canemes-Kapseln und Sativex niedriger (45 958 Euro bzw. 1,258 Millionen Euro im April 2018). Das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium wollte sich zur Kostenexplosion nicht äußern. Man wolle die Entwicklung weiter beobachten und abwarten, bis sich die Umsatzzahlen stabilisiert hätten, hieß es. Im Gesetzentwurf der Bundesregierung wurde noch mit weit niedrigeren Ausgaben gerechnet. Den GKV-Spitzenverband überrascht die Kostenexplosion nicht. Bereits 2016 hatte der Kassenverband darauf hingewiesen, dass es insbesondere im ersten Jahr der Gültigkeit des Gesetzes zu einer Ausweitung der Versorgung mit Cannabisarzneimittel kommen würde. Damals kritisierten die Krankenkassen zudem, dass der Gesetzgeber die Abgabe von Cannabis nicht auf bestimmte Krankheiten oder Krankheitsbilder beschränkt hat.

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