ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2018Kardiovaskuläre Erkrankungen: Bei hohen LDL-Basiswerten senken Lipidsenker die Sterblichkeit am stärksten

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Kardiovaskuläre Erkrankungen: Bei hohen LDL-Basiswerten senken Lipidsenker die Sterblichkeit am stärksten

Dtsch Arztebl 2018; 115(33-34): A-1487 / B-1252 / C-1244

Heinzl, Susanne

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Foto: yodiyim / iStockphotos
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Erste Studien mit Lipidsenkern wie Statinen senkten die kardiovaskuläre Sterblichkeit deutlich. In den folgenden Studien, in denen weitere Lipidsenker additiv gegeben wurden, war das Ausmaß des zusätzlichen Effekts weniger konsistent. Neue Studien, z. B. zur Gabe von Ezetimib oder Evolocumab zusätzlich zu Statin, ergaben keine Senkung der kardiovaskulären Sterblichkeit. Weil sich in den Studien über die Jahre der mediane Ausgangs-LDL-Cholesterinspiegel von 188 mg/dL auf 92 mg/dL verringert hatte, wurde nun in einer Metaanalyse untersucht, ob der Ausgangswert den Effekt der Lipidsenkung auf die kardiovaskuläre Sterblichkeit beeinflusst (1).

In die Analyse wurden 34 randomisierte Studien mit 270 288 Teilnehmern eingeschlossen. Von diesen hatten 136 299 Personen eine intensive und 133 989 eine weniger intensive lipidsenkende Behandlung erhalten. Co-Primäre Endpunkte waren Gesamt- und kardiovaskuläre Sterblichkeit.

Die Gesamtsterblichkeit war bei intensiverer Therapie geringer als bei weniger intensiver Behandlung (7,08 % vs. 7,70 %, Rate Ratio [RR]: 0,92), sie variierte jedoch mit dem Ausgangs-LDL-Cholesterinwert: Bei höheren LDL-Ausgangswerten sank die Gesamtsterblichkeit stärker. Die RR pro 40 mg/dL LDL-Ausgangswert-Anstieg lag bei 0,91, allerdings nur bei LDL-Basiswerten > 100 mg/dL.

In Studien mit Ausgangswerten von ≥ 160 mg/dL wurde die Gesamtsterblichkeit am stärksten gesenkt (RR: 0,72).

Ähnliche Befunde ergaben sich für die kardiovaskuläre Sterblichkeit, die bei intensiverer Lipidsenkung ebenfalls geringer war als bei weniger intensiver Behandlung (3,48 % vs. 4,07 %, RR = 0,84). Auch hier war der Effekt auf die Sterblichkeit größer, wenn die Ausgangswerte höher waren. Die RR pro 40 mg/dL LDL-Ausgangswert-Zunahme lag bei 0,86. Dies galt jedoch ebenfalls nur für LDL-Ausgangswerte über 100 mg/dL.

Fazit: Lipidsenkende Therapien senken die Gesamt- und die kardiovaskuläre Sterblichkeit umso besser, je höher die Ausgangswerte von LDL-Cholesterin im Blut sind. Dies gilt jedoch nur ab einem LDL-Cholesterinspiegel von 100 mg/dL.

Die Ergebnisse dieser Metaanalyse werden im begleitenden Editorial als „ziemlich provokativ“ bezeichnet (2). Wenn sie sich als richtig erweisen würden, könnten sie einen deutlichen Einfluss auf derzeitige Leitlinien und Algorithmen haben. Dann würden z. B. neue kostenintensive Therapien nur noch für Patienten mit bestimmten LDL-Ausgangswerten empfohlen. Die Editorialisten sind jedoch der Meinung, dass das Ergebnis dieser Metaanalyse aufgrund zu vieler Störfaktoren nicht verallgemeinert werden kann. Hierzu seien weitere patientenbezogene Analysen erforderlich.

  1. Navarese E, Robinson JG, et al.: Association between baseline LDL-C level and total and cardiovascular mortality after LDL-C lowering. a systematic review and meta-analysis. JAMA. 2018; 319: 1566–79.
  2. Navar AM, Peterson ED: Challenges in interpreting the lipid-lowering trials. Biology vs ecology. JAMA.2018; 319: 1549–51.

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