ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2018Therapierefraktäre rheumatoide Arthritis: Selektiver JAK1-Inhibitor Upadacitinib ist hocheffektiv und sicher

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Therapierefraktäre rheumatoide Arthritis: Selektiver JAK1-Inhibitor Upadacitinib ist hocheffektiv und sicher

Dtsch Arztebl 2018; 115(33-34): A-1487 / B-1252 / C-1244

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: leonardo medical / picture alliance
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Die Behandlungsstrategie für Patienten mit rheumatoider Arthritis sollte nach dem Prinzip „treat-to-target“ erfolgen: Ziel ist, dass innerhalb von 6 Monaten nach Beginn der Therapie eine Remission oder die geringstmögliche Krankheitsaktivität erreicht ist. Methotrexat gehört zu den Mitteln der Wahl für die Erstlinie, unter Umständen kombiniert mit anderen csDMARDs oder einem biologischen DMARD (bDMARD). Trotz vieler Optionen erreicht ein Teil der Patienten das Behandlungsziel in der Erstlinie nicht. Die SELECT-NEXT-Studie ist eine prospektiv randomisierte, noch laufende Phase-3-Untersuchung, in der Upadacitinib bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer RA auf Effektivität und Sicherheit geprüft wird. Die Studie läuft unter Federführung eines Teams der Charité Berlin. Die Teilnehmer haben auf mindestens ein csDMARD nicht ausreichend angesprochen: Methotrexat, Sulfasalazin oder Leflunomid.

661 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer RA nach den Kriterien des American College of Rheumatology (ACR) wurden randomisiert. Sie hatten auf csDMARDs, ein kleiner Teil auch auf maximal ein bDMARD, unzureichend angesprochen. Die durchschnittliche Krankheitsdauer vor Beginn der Studie war 7,25 Jahre. Die Behandlung erfolgte doppelt verblindet mit 15 mg einer verzögert freigesetzten Formulierung von Upadacitinib (n = 221), mit 30 mg des Wirkstoffs (n = 219) oder mit Placebo (n = 221).

Es waren bis zu 2 csDMARDs als „backbone“-Therapie erlaubt. Der primäre Endpunkt war der Anteil der Patienten, die nach 12 Wochen eine mindestens 20%ige Verbesserung im ACR-Score erreichten (ACR20) und eine Verminderung der Krankheitsaktivität, mit einem Disease Activity Score 28-CRP (DAS28-CRP) von maximal 3,2. Der DAS28-CRP ist eine Modifikation des DAS für 28 Gelenke, der den Entzündungsparameter CRP mit einbezieht.

Den primären Endpunkt auf Basis der ACR20 erreichten 64 % der Teilnehmer in der Verumgruppe mit 15 mg Wirkstoff, 66 % in der Gruppe mit 30 mg Upadacitinib und 36 % unter Placebo (p < 0,0001 für beide Dosierungen vs. Placebo). Eine geringe Krankheitsaktivität (DAS28-CRP max. 3,2) wurde von jeweils 48 % in den beiden Upadacitinib-Dosierungen erreicht und bei 17 % unter Placebo. Außerdem erreichten 38 % und 43 % der mit dem JAK-Inhibitor behandelten Patienten ein ACR50-
Ansprechen im Vergleich zu 15 % in der Placebogruppe. Das Sicherheitsprofil des JAK-Inihibitors gegenüber Placebo sei akzeptabel, so die Autoren, wenn auch Infektionen und Abbrüche der Therapie wegen unerwünschter Effekte unter Verum etwas häufiger gewesen seien als bei Placebo. Es gab keine therapieassoziierten Todesfälle.

Fazit: Bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer rheumatoider Arthritis, die nicht adäquat auf eine Behandlung mit herkömm-
lichen chemisch synthetischen krankheitsmodifizierenden Substanzen angesprochen haben, verringert der selektive JAK-1-Inhibitor Upadacitinib die Krankheitszeichen hochsignifikant. Die Nutzen-Risiko-Relation wird in der Phase-3-Studie SELECT-NEXT als „vorteilhaft“ bewertet. Noch allerdings gibt es keine Langzeitdaten für diese Substanz.

Burmester GR, Kremer JM, Van den Bosch F, et al.: Safety and efficacy of upadacitinib in patients with rheumatoid arthritis and inadequate response to conventional synthetic disease-modifying anti-rheumatic drugs (SELECT-NEXT): a randomised, double-blind, placebo-controlled phase 3 trial. Lancet 2018; 391: 2503–12.

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