ArchivDeutsches Ärzteblatt33-34/2018Diagnostik einer HIV-Infektion: Patienten-Selbsttest liefert zuverlässige Ergebnisse

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Diagnostik einer HIV-Infektion: Patienten-Selbsttest liefert zuverlässige Ergebnisse

Dtsch Arztebl 2018; 115(33-34): A-1488 / B-1253 / C-1245

Warpakowski, Andrea

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Foto: 4designersart / stock.adobe.com
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Mit einer frühzeitigen antiretroviralen Therapie ist die HIV-Infektion gut und langfristig behandelbar, zudem senkt eine erfolgreiche HIV-Therapie das Transmissionsrisiko – umso wichtiger ist es, die Menschen zu identifizieren, die nichts von ihrer HIV-Infektion wissen. Ein HIV-Selbsttest erlaubt eine Testung im privaten Umfeld. Das ist vor allem für diejenigen, die sich aus Angst oder Scham nicht bei ihrem Arzt oder anonym haben testen lassen, eine Option (1). Eine aktuelle Metaanalyse bestätigt, dass die Anwendung eines Schnelltests zum HIV-Antikörpernachweis genauso zuverlässige und exakte Ergebnisse liefert wie die Testung durch ausgebildetes medizinisches Personal (2).

Mit einer vorangegangenen systematischen Literaturrecherche identifizierten die Autoren im Zeitraum 1995 bis 2016 insgesamt 25 Studien, in denen die Teilnehmer selber mit Blut oder Speichel den HIV-Schnelltest durchführten und auch das Testergebnis selber interpretierten. Die Teilnehmerzahl der Studien reichte von 22 bis 5 662 und in den meisten Studien wurden Speicheltests verwendet. Die Metaanalyse dieser Studien ergab zwischen den Ergebnissen der Selbsttestung und der Testung durch medizinisches Personal eine Übereinstimmung von 85,4 % bis 100 %. Die Sensitivität und Spezifität war mit den blutbasierten Tests höher als mit den Speicheltests. Die häufigsten Fehler beim Selbsttest waren die Anwendung des Wattestäbchens im Mund und die Blutabnahme an der Fingerkuppe. In den Studien aber wurden Testkits verwendet, die nicht explizit zur Selbsttestung entwickelt oder dazu adaptiert wurden. Um die Anwendung zu erleichtern, sollten die Anleitungen für die HIV-Selbsttests eine einfache und klare Sprache haben und auch Informationen zu diagnostischem Fenster, Bestätigungstest und Beratungsmöglichkeiten bieten.

In Deutschland ist seit Juni 2018 der HIV-Selbsttest mit Blut aus der Fingerkuppe zugelassen und kann aufgrund einer Änderung der Medizinprodukte-Abgabeverordnung als „Heimtest“ an jeden abgegeben werden.

Fazit: „Der HIV-Heimtest wurde dringend erwartet – er ist ein wichtiger Baustein in der Diagnostik der HIV-Infektion“, bewertet Dr. med. Albrecht Stoehr vom ifi-Institut Hamburg den Selbsttest. „Es geht darum, die bisher unbekannten HIV-Infektionen zu diagnostizieren. Bisher gab es die Möglichkeit, sich beim Arzt oder anonym beim Gesundheitsamt, bei Aidshilfen oder ähnlich niedrigschwelligen Gelegenheiten auf HIV testen zu lassen.“ Den Selbsttest könnten Menschen nutzen, die aus zeitlichen, räumlichen oder persönlichen Gründen die bisherigen Testangebote nicht wahrnehmen konnten oder wollten.

In Deutschland nehme die Zahl der nicht diagnostizierten HIV-Infektionen stetig zu, so Stoehr. „Und es vergehen im Mittel 5 Jahre zwischen der Infektion und der Diagnose. In dieser Zeit können die HIV-positiven Personen die Infektion übertragen und sie können unbehandelt AIDS entwickeln – das sehen wir an der relativ hohen Anzahl an Menschen, die erst spät ihre Diagnose erhalten, den sogenannten ‚late presenters‘. Der HIV-Selbsttest kann dazu beitragen, durch eine rechtzeitige Diagnose und HIV-Therapie die Zahl der
‚late presenter‘ und auch die Neuinfektionsrate zu reduzieren.“

  1. Kojima N, Klausner JD: Accelerating epidemic control: the role of HIV self-testing. Lancet HIV 2018; 5: e266–67.
  2. Figueroa C, Johnson C, Ford N, et al.: Reliability of HIV rapid diagnostic tests for self-testing compared with testing by health-care workers: a systematic review and meta-analysis. Lancet HIV 2018; 5: e277–90.

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