ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2018Erhöhung des Delir-Risikos bei Demenzkranken
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von Dr. med. A. Marlen Schurig, Miriam Böhme, Dr. med. Katja S. Just, Dr. rer. nat. Catharina Scholl,
Prof. Dr. med. Harald Dormann, Bettina Plank-Kiegele, Prof. Dr. med. Thomas Seufferlein, PD Dr. med. Ingo Gräff, Prof. Dr. med. Matthias Schwab, Prof. Dr. med. Julia C. Stingl in Heft 15/2018

Der Artikel (1) verknüpft in gelungener Weise das Thema der unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW) mit der Situation von Krankenhausnotaufnahmen. Die Autoren weisen darauf hin, dass UAW vermeidbar sind, dass das Wissen hierzu wenig präsent ist, und dass UAW nicht nur Ursache für Notaufnahme-Vorstellungen, sondern auch für Hospitalisierungen sind.

Besonders zu danken ist, dass explizit darauf hingewiesen wird, dass ältere Menschen, die in erhöhtem Maße dem Risiko einer Polypharmazie ausgesetzt sind, von UAW betroffen sind und dass ein Risikofaktor die Behandlung der Erkrankungen des Nervensystems ist. In der Literatur gibt es Hinweise, dass bei der Behandlung kognitiv eingeschränkter Patienten (2) das UAW-Risiko erhöht ist. Dabei ist das Auftreten eines Delirs bei UAW in dieser Risikogruppe (3) zu betonen. Häufig wird nicht erkannt, dass dieser Verwirrtheitszustand durch UAW entstanden ist und der Patient wird dann zusätzlich mit einem weiteren Medikament behandelt, statt die UAW zu beheben.

Unsere Arbeitsgruppe hat hierzu Erfahrungen sammeln können. Als Mitglied des Projektes Arzneimittelsicherheit in der Psychiatrie (AMSP) werten wir alle täglich aufgetretenen UAW aus. Eine systematische Erfassung der gesamten Medikation und deren Beurteilung mittels Interaktionscheck sollte Standard für Patienten mit hohem UAW-Risiko werden. In eigenen Arbeiten (4) konnten wir zeigen, dass auch die konsequente Optimierung der Medikation in dieser Risikogruppe ein Delir durch UAW vermeiden hilft. Der stärkere Fokus auf Vermeidung von Polypharmazie und UAW bei kognitiv eingeschränkten Patienten sollte im klinischen Alltag einen größeren Stellenwert einnehmen. Die vorliegende Arbeit ermutigt hierzu.

Prof. Dr. med. Torsten Kratz

Evangelisches Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge gGmbH,

Abteilung für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Berlin

T.Kratz@keh-berlin.de

1.
Schurig AM, Böhme M, Just KS, et al.: Adverse drug reactions (ADR) and emergencies—the prevalence of suspected ADR in four emergency departments in Germany. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 251–8 VOLLTEXT
2.
Vogt H: Arzneimittel: Demenz als Folge der Therapie. Dtsch Arztebl 2017; 114: A-577 VOLLTEXT
3.
Fick DM, Agostini JV, Inouye SK: Delirium superimposed on dementia: a systematic review. J Am Geriatr Soc 2002; 50: 1723–32 CrossRef
4.
Kratz T, Heinrich M, Schlauß E, Diefenbachern A: The prevention of postoperative confusion—a prospective intervention with psychogeriatric liaison on surgical wards in a general hospital. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 289–96. VOLLTEXT
1.Schurig AM, Böhme M, Just KS, et al.: Adverse drug reactions (ADR) and emergencies—the prevalence of suspected ADR in four emergency departments in Germany. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 251–8 VOLLTEXT
2. Vogt H: Arzneimittel: Demenz als Folge der Therapie. Dtsch Arztebl 2017; 114: A-577 VOLLTEXT
3. Fick DM, Agostini JV, Inouye SK: Delirium superimposed on dementia: a systematic review. J Am Geriatr Soc 2002; 50: 1723–32 CrossRef
4.Kratz T, Heinrich M, Schlauß E, Diefenbachern A: The prevention of postoperative confusion—a prospective intervention with psychogeriatric liaison on surgical wards in a general hospital. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 289–96. VOLLTEXT

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