ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2018Honorarverhandlungen 2019: 620 Millionen Euro für Vertragsärzte

POLITIK

Honorarverhandlungen 2019: 620 Millionen Euro für Vertragsärzte

Dtsch Arztebl 2018; 115(35-36): A-1521 / B-1281 / C-1273

Beerheide, Rebecca

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Bei den jährlichen Honorarverhandlungen für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte konnten sich Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und GKV-Spitzenverband auf Honorarsteigerungen von etwa 620 Millionen Euro für 2019 einigen. Der Abschluss empört Ärzteverbände. Demnächst geht es zurück an den Verhandlungstisch.

Für die ambulante Versorgung steht im kommenden Jahr mehr Geld bereit. Foto: AKhodi/stock.adobe.com
Für die ambulante Versorgung steht im kommenden Jahr mehr Geld bereit. Foto: AKhodi/stock.adobe.com

Der erwartete Verhandlungsmarathon fiel in diesem Jahr aus: Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und GKV-Spitzenverband hatten sich bereits nach drei Sitzungen auf ein Ergebnis für die Honorarrunde 2019 festgelegt. Nach der dritten, siebenstündigen Sitzung einigten sich die Partner der Selbstverwaltung auf einen Anstieg der Honorare für Vertragsärztinnen und -ärzte sowie Psychotherapeutinnen und -therapeuten für das Jahr 2019. Demnach soll der Orientierungswert um 1,58 Prozent steigen. Das bedeutet etwa 550 Millionen Euro mehr in der Versorgung im kommenden Jahr. Vor der ersten Verhandlung lagen Krankenkassen und KBV noch weit auseinander: Der GKV-Spitzenverband hatte 0,2 Prozent angeboten, die KBV hatte eine Steigerung von insgesamt 4,7 Prozent gefordert.

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Mit der nun gefundenen Einigung soll auch die Morbiditätsrate angepasst werden. Nach Angaben der KBV könnte hier die Steigerungsrate etwa 0,3 Prozent betragen. Damit könne man davon ausgehen, dass etwa weitere 70 Millionen Euro in die Versorgung fließen. Zusammengerechnet könnten 2019 insgesamt 620 Millionen Euro mehr in der Versorgung sein, erklärte die KBV. Die exakten Berechnungen laufen noch bis Ende August. Ebenso sollen Praxen einen Ausgleich für zusätzliche Kosten im Zuge von neuen Hygienevorschriften und der EU-Datenschutz-Grundverordnung bekommen. Dazu will das Institut des Erweiterten Bewertungsausschusses weitere Daten analysieren. Die Krankenkassen hatten einen finanziellen Ausgleich für die Mehrausgaben zunächst abgelehnt. Der GKV-Spitzenverband rechnet mit weiteren 400 Millionen, die die Krankenkassen 2019 für die steigende Zahl ärztlicher Leistungen ausgeben werden. Der Verband geht davon aus, dass 2019 insgesamt eine Milliarde Euro mehr für die ärztliche Vergütung zur Verfügung stehen. Nach Angaben aus Verhandlungskreisen hatte der unparteiische Vorsitzende des Erweiterten Bewertungsausschusses, Prof. Dr. rer. pol. Jürgen Wasem, den Vermittlungsvorschlag erarbeitet.

Heftige Kritik von Verbänden

Das Honorarergebnis wurde von Ärzteverbänden deutlich kritisiert. „Praxisärzte bleiben trotz des Honorarabschlusses bei der Kostenentwicklung weiterhin abgekoppelt und sie bleiben auf den zentralen Problemen sitzen“, sagte der Vorsitzende des NAV-Virchow-Bundes, Dr. med. Dirk Heinrich. Zwar steige der Orientierungswert um 1,58 Prozent, er liege damit aber unter der Preissteigerungsrate von zwei Prozent. Heinrich bemängelte, dass die Krankenkassen mit dem Honorarabschluss „nur knapp den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestanforderungen“ nachkämen.

Gleiches kritisiert auch Dr. med. Werner Baumgärtner, Vorstandsvorsitzender von Medi Geno Deutschland. „Umgerechnet auf den Arzt wären das 320 Euro mehr Umsatz im Monat. Davon kann sich eine Praxis nicht einmal eine Aushilfskraft leisten“, rechnete er vor.

Zu Beginn der Honorarverhandlungen hatte die KBV die Forderung aufgestellt, dass die Vergütung der Hausbesuche von derzeit 22,59 Euro auf 33,71 Euro ansteigen müsse. Diese Forderung hatten die Krankenkassen abgelehnt. Nun kündigte die KBV an, dieses Thema in weiteren Gesprächen über die finanzielle Anpassung ärztlicher Leistungen im Laufe des Jahres einzubringen. Der Hausärzteverband forderte zügige Verbesserungen. Bei den Hausbesuchen sei bisher „überhaupt gar nichts passiert, obwohl das für die Hausärztinnen und Hausärzte das drängendste Problem ist“, erklärte Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Hausärzteverbandes. „Die Unterbezahlung von Hausbesuchen muss dringend gelöst und die wohnortnahe Grundversorgung durch Haus- und Fachärzte muss gestärkt werden“, sagte auch Heinrich vom NAV-Virchow-Bund.

KBV und GKV-Spitzenverband werden sich in den kommenden Monaten weiterhin am Verhandlungstisch treffen. Nicht nur, um die regelmäßigen Verhandlungen zur Anpassung einzelner Honorarposten fortzusetzen, auch wird der Gesetzgeber neue Verhandlungsrunden festlegen: Gemäß den aktuellen Plänen des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ters Jens Spahn (CDU) soll die Selbstverwaltung zügig über die zusätzliche Honorierung von offenen Sprechstunden oder Terminvermittlung und -annahme diskutieren. Rebecca Beerheide

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