ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2018Refluxkrankheit: PPI und ASS wirken chemopräventiv beim Barrett-Ösophagus

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Refluxkrankheit: PPI und ASS wirken chemopräventiv beim Barrett-Ösophagus

Dtsch Arztebl 2018; 115(35-36): A-1547 / B-1308 / C-1296

Meyer, Rüdiger

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Foto: picture alliance
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Hochdosiertes Esomeprazol verbessert die Prognose eines Barrett-Ösophagus. Dieser Effekt des Protonenpumpeninhibitors (PPI) lässt sich der AspECT-Studie (Aspirin and Esomeprazol Chemoprevention in Barrett’s metaplasia Trial) zufolge durch gleichzeitige Acetylsalicylsäure-Gabe noch steigern (1).

Der Barrett-Ösophagus ist die Hauptursache für Adenokarzinome im unteren Ösophagus. Er beruht seinerseits meist auf einer Refluxkrankheit (GERD), die mit PPI behandelt wird. Frühzeitig eingesetzt, beugen PPI einem Barrett-Ösophagus und damit auch einem Adenokarzinom vor. Der krebspräventive Effekt von ASS wird der Hemmung der Cyclooxygenase zugeschrieben. Ob beides die Prognose bessert, wenn sich bereits ein Barrett-Ösophagus entwickelt hat, war unklar.

An der Studie nahmen 2 557 Patienten mit einer Barrett-Läsion von mindestens 1 cm teil. Sie wurde finanziell vom Esomeprazol-Hersteller unterstützt. 2 Gruppen erhielten Esomeprazol entweder in hoher Tagesdosis (2 × 40 mg) oder in niedriger (1 × 20 mg), kombiniert mit 300 mg ASS (Großbritannien; 325 mg in Kanada) oder keinem ASS.

Ursprünglich sollten 5 000 Patienten teilnehmen. Nachdem sich indes zunächst keine Schutzwirkung zeigte, verlor der Sponsor das Interesse. Man einigte sich aber, die Laufzeit auf 10 Jahre mit weniger Teilnehmern zu verlängern.

Wie Janusz Jankowski vom Royal College of Surgeons in Dublin jetzt berichtet, war nach 7 Jahren der Vorteil signifikant. Unter hochdosiertem PPI entwickelten nach 8,9 Jahren 139 von 1 270 Patienten eine High-Grade-Dysplasie, ein Karzinom oder sie starben – im Vergleich zu 174 Ereignissen bei 1 265 Patienten unter niedrigdosierten PPI (Time Ratio [TR]: 1,27; 95-%-Konfidenz-Intervall: 1,01–1,58). Dies entspricht einem Aufschub von 8 auf 10,2 Jahre.

In der Gruppe, die hoch dosiertes PPI mit ASS kombinierte, kam es zu 52 Ereignissen bei 572 Teilnehmern. In der Gruppe mit niedrigdosiertem PPI ohne ASS waren es dagegen 99 Ereignisse bei 699 Teilnehmern (TR: 1,59; KI: 1,14–2,23). Trotz relativ hoher ASS-Tagesdosis von 300 mg war die Therapie offenbar gut verträglich. Von den 28 Nebenwirkungen Grad 3 bis 5 wurden 15 auf die Einnahme von ASS und 13 auf die des PPI zurückgeführt. Bei 7 kam es zu den unter ASS gefürchteten, schweren gastrointestinalen Blutungen.

Fazit: Ob dies die Leitlinien verändert, bleibt abzuwarten. Ignorieren lässt sich diese bisher größte Studie zur Chemoprävention des Ösophaguskarzinoms sicher nicht. Eine Konsequenz könnte die Empfehlung einer höheren PPI-Dosis zur Behandlung von GERD bei nachgewiesenem Barrett-Ösophagus sein.

Die Empfehlung zur Chemoprävention mit ASS wird von den Leitlinien bisher sehr zurückhaltend gegeben, vor allem wegen der Sorge um den Anstieg gastrointestinaler Blutungen. Rüdiger Meyer

Jankowski JAZ, et al.: Esomeprazole and aspirin in Barrett‘s oesophagus (AspECT): a randomised factorial trial. The Lancet 2018; 392(10145): 400–8.

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