ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2018Georg Peters †: Trauer um einen hervorragenden Arzt

PERSONALIEN

Georg Peters †: Trauer um einen hervorragenden Arzt

Dtsch Arztebl 2018; 115(35-36): A-1555 / B-1313 / C-1301

Becker, Karsten

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Georg Peters. Foto: WWU
Georg Peters. Foto: WWU

Durch einen tragischen Bergwanderunfall wurde am 8. August 2018 Prof. Dr. med. Georg Peters, Ordinarius und Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums Münster, wenige Tage vor seiner Emeritierung aus dem Leben gerissen.

Geboren am 11. März 1951 in Asperden/Niederrhein, studierte und promovierte er an der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln. Viele Jahre war er dort am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene tätig, zuletzt als Oberarzt und C2-Professor. Seit 1992 leitete er das Institut für Medizinische Mikrobiologie der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Im besten humboldtschen Sinne fühlte Georg Peters sich stets der Einheit von Forschung und Lehre verpflichtet; in seinem ethischen Anspruch als Arzt duldete er keine sich dem Zeitgeist beugenden Entwicklungen, die zum Nachteil der Patienten hätten führen können. Akribisch verlangte er als medizinischer Mikrobiologe eine hochqualifizierte Erregerdiagnostik und klinisch orientierte Infektionsmedizin.

Anzeige

Seine berufliche Leidenschaft galt der erregerorientierten Forschung – von der Grundlagenforschung bis hin zu translationalen Aspekten. Seit Beginn seiner wissenschaftlichen Karriere widmete er sich den Staphylokokken und den von ihnen verursachten Erkrankungen. Bahnbrechend waren seine Erkenntnisse zur Entstehung von fremdkörperassoziierten Infektionen sowie zur Biofilmbildung. Zeit seines beruflichen Lebens engagierte er sich für die Bekämpfung von Infektionen durch multiresistente Erreger.

Die außerordentliche Gabe von Peters, den akademischen Nachwuchs für die Erregerforschung zu begeistern, ließ mehrere Arbeitsgruppen entstehen, die nun seine Arbeiten zu Staphylokokken-Infektionen fortsetzen. Als Vorsitzender des Förderprogramms „Innovative Medizinische Forschung“ und als Sprecher des Interdisziplinären Zentrums für Klinische Forschung sowie der DFG-Sonderforschungsbereiche „Mechanisms of inflammation“ und „Breaking barriers“ prägte er die medizinische Forschung und deren Förderung in Münster.

Beharrlich trat Peters für die Wissenschaftsförderung und die akademische Selbstverwaltung ein. Sein kämpferischer Einsatz für die Zukunft der Medizinischen Mikrobiologie und Infektionsmedizin in Deutschland – auch als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie sowie der Paul-Ehrlich Gesellschaft für Chemotherapie – ist legendär. Viele Jahre wirkte er als Mitglied und später Sprecher des DFG-Fachkollegiums „Mikrobiologie, Virologie, Immunologie“, seit 2012 als Mitglied des DFG-Senats. Prägend tätig war er seit 1994 im Wissenschaftlichen Beirat des Deutschen Ärzteblattes. Bis zuletzt war er Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des Robert Koch-Instituts und stellvertretender Vorsitzender des Gemeinsamen Wissenschaftlichen Beirats des Bundesministeriums für Gesundheit.

Wir erinnern uns mit großer Dankbarkeit und Trauer an einen hervorragenden Arzt, streitbaren Wissenschaftler und Fachvertreter, einen stets fördernden und fordernden akademischen Lehrer, ganz besonders aber an einen einzigartigen Menschen. Prof. Dr. med. Karsten Becker

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema