ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2018Gendereffekt: Diabetes erhöht das Krebsrisiko bei Frauen stärker als bei Männern

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Gendereffekt: Diabetes erhöht das Krebsrisiko bei Frauen stärker als bei Männern

Dtsch Arztebl 2018; 115(35-36): A-1547 / B-1308 / C-1296

Meyer, Rüdiger

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Foto: Christoph Burgstedt/stock.adobe.com
Foto: Christoph Burgstedt/stock.adobe.com

Diabetiker haben ein leicht erhöhtes Krebsrisiko, das bei Frauen etwas stärker ausgeprägt ist als bei Männern, so das Ergebnis einer Metaanalyse. Sie stammt von dem Team um Toshiaki Ohkuma vom George Institute for Global Health in Sydney und umfasst 121 Kohortenstudien mit über 19 Millionen Teilnehmern (1).

Frauen mit Diabetes haben demnach ein um 27 % höheres Risiko, im Verlauf des Lebens an Krebs zu erkranken als Frauen ohne Diabetes (relatives Risiko: 1,27; 95-%-Konfidenz-Intervall 1,21–1,32). Bei Männern mit Diabetes waren es nur 19 % (rR: 1,19; 1,13–1,25). Die Differenz von 6 % war signifikant (relative Risk Ratio: 1,06; 95%-KI: 1,03-1,09). Im Einzelnen erkrankten Frauen mit Diabetes öfter als Männer an Nieren-, Mundhöhlen- und Magenkrebs sowie öfter an Leukämie (jeweils zu 11, 13, 14 und 15% häufiger). Einzige Ausnahme war Leberkrebs, der 12 % seltener bei diabeteskranken Frauen als bei diabeteskranken Männern auftrat.

Viele Experten vermuten, dass die Hyperglykämie das Krebsrisiko triggert. Die Glukose soll die Methylierung der DNA beeinflussen. Enzyme, die Tumor-suppressiv wirken, würden so seltener aktiv.

Der Blutzucker ist Studien zufolge bei Frauen im Vergleich zu Männern mit Diabetes eher unzureichend eingestellt, was an einer geringeren Adhärenz liegen soll. Und da Frauen älter werden als Männer, währt bei ihnen die Hyperglykämie auch länger.

Fazit: Angesichts der Erkenntnis, dass das Krebsrisiko bei Diabetes-Kranken steigt, untersucht man, inwiefern Antidiabetika dies positiv beeinflussen könnten. Epidemiologische Studien deuten darauf hin, dass Metformin das Krebsrisiko senkt. Es gibt erste Hinweise, dass es sogar spezifisch krebshemmende Effekte hat. Wie ausgeprägt diese Schutzwirkung in der Behandlung von Diabetikern ist, müsste idealerweise in klinischen Studien untersucht werden. Rüdiger Meyer

Ohkuma T, et al.: Sex differences in the association between diabetes and cancer: a systematic review and meta-analysis of 121 cohorts including 20 million individuals and one million events. Diabetologia. 2018 Jul 20. doi: 10.1007/s00125–018–4664–5.

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