ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2018Organspende: Zeit für einen Kulturwandel
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Die konkrete Vorgehensweise in den Krankenhäusern birgt ein großes Potenzial zur Steigerung der Spenderraten in Deutschland. Sehr deutlich zeigt dies die in der Kieler Studie geäußerte exemplarische Einschätzung einer theoretisch realisierbaren Verdreifachung der Spenderquote auf 33,8 statt 10,8 pro einer Million Einwohner für das Jahr 2015. Auch im Austausch mit anderen Akteuren auf dem Gebiet der Organspende hat sich die Situation in den Entnahmekliniken, wie aus der beschriebenen Studie hervorgeht, als eine Säule der Verantwortlichkeit für die niedrigen Spenderraten in Deutschland abgezeichnet. Wir sehen deshalb eine dringende Notwendigkeit der Stärkung der Rolle der Transplantationsbeauftragten, die nicht nur eine Freistellung zur Ausführung der damit verbundenen Tätigkeit, sondern insbesondere ein möglichst bundesweit einheitliches, klar umrissenes Aufgabenprofil umfasst.

Zweifellos ist eine Intensivierung der Aufklärungs- und Informationsarbeit zur Organspende trotz oder gerade wegen dieser Erkenntnisse unerlässlich: Eine Verbesserung in den Krankenhäusern ist nur effektiv, wenn die Verstorbenen im Vorhinein ihre Organspendebereitschaft kommuniziert haben. Die gesetzliche Regelung der Entscheidungslösung sieht eine möglichst flächendeckende Aufklärung als Basis für eine persönliche Entscheidung jedes und jeder Einzelnen vor. Die Bestimmung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls auf der einen sowie der Zustimmung zur Organspende auf der anderen Seite als unumgängliche Voraussetzungen einer Organentnahme, definieren einen reibungslosen Ablauf in den Entnahmekliniken gemeinsam mit der Dokumentation der eigenen Entscheidung durch die Bevölkerung zwangsläufig als die zwei Grundpfeiler eines funktionierenden Organspendesystems in Deutschland. Die Entscheidung und Dokumentation der eigenen Organspendebereitschaft ist wiederum auf eine breit aufgestellte Aufklärungsarbeit als Basis angewiesen.

Die Ergebnisse der Studie zur Lage in den Krankenhäusern entziehen der Aufklärungsarbeit nicht ihre Relevanz, sondern zeigen umso eindrücklicher, dass wir einen Kulturwandel im Sinne eines offenen und selbstverständlichen Umgangs mit dem Thema Organspende als integralem Bestandteil des Lebens an der Schnittstelle zwischen Tod und Weiterleben, nicht nur in der Gesamtbevölkerung, sondern auch in medizinischen Fachkreisen benötigen.

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Jorit Ness, Geschäftsführer der Stiftung ÜBER LEBEN – Initiative Organspende, 45147 Essen

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