ArchivDeutsches Ärzteblatt35-36/2018Künstliche Intelligenz: Unvollständige Daten
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Kollege Computer ist aus der Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken – aus der Medizin auch nicht. Aber während zum Beispiel eine Bank problemlos elektronisch führbar ist, gelingt das bei dem „Bioprodukt“ Patient nicht automatisch.

Es ist für die Qualität der Arbeit eines Arztes essenziell, dass er elektronische Tools nutzt und als Hilfe betrachtet – insofern kann ein Computerprogramm helfen bei komplexen Fällen, bei komplexer Informationsdichte, wie sie ein CT oder ein MRT beispielsweise liefern.

Jedoch darf man nicht vergessen, dass die „Daten“, die ein Patient liefert, nicht nur IT-lesbar sind, sondern sehr viele – oft entscheidende! – Informationen aus dem tatsächlichen Kontakt zwischen Arzt und Patient stammen – sei es aus der Art, wie ein Patient berichtet (zum Beispiel mündliche Sprache im Kontext der körperlichen Bewegung währenddessen), sei es aus der körperlichen Untersuchung (zum Beispiel muskuläre Spannungszustände sind im Bild nicht darstellbar) und ganz allgemein die behavoriellen Informationen, die ein Face-to-Face-Gespräch dem aufmerksamen Arzt liefert.

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All das ist nicht leistbar per email, App, Telefon, Internet. Diese Techniken können nur ergänzen, erleichtern Informationsfluss, aber ersetzen nie den persönlichen und körperlich untersuchenden Kontakt.

Dies muss gerade angesichts der Versuche von Versicherungen, online und per App geldsparend „Arztbesuche“ zu ermöglichen, zwingend bedacht werden, um zu vermeiden, unvollständigen (Patienten berichten oft nur Dinge, die sie für relevant halten, selten aber vollständig zur Stellung einer Diagnose, weil sie Zusammenhänge nicht oder falsch verstehen) und Fehlinformationen eines Patienten, der nicht persönlich zugegen ist, aufzusitzen, denn für Fehldiagnosen aus unvollständigen Befunden haftet der Arzt.

Dr. med. Walter Merkle, 65191 Wiesbaden

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