ArchivDeutsches Ärzteblatt26/1996EBM: Kein Überleben für Spezialpraxen

SPEKTRUM: Leserbriefe

EBM: Kein Überleben für Spezialpraxen

Knuth, A.

Zu den Beiträgen "Mit Praxisbudgets zum stabilen Punktwert" von Josef Maus in Heft 21/1996 und "Wir brauchen endlich wieder Ruhe in unserem Arbeitsalltag" von Dr. med. Winfried Schorre in Heft 22/1996:
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS . . . Gehen wir in unserem speziellen Fall, einer reproduktionsmedizinisch ausgerichteten Spezialpraxis, von den Fallpunktzahlen aus, die für die Fachgruppe der Gynäkologen vorgesehen sind, werden wir bei einem mittleren Patientenaufkommen von 500 Patienten im Quartal auf eine Fallpunktsumme von 380 000 Punkten kommen, was in DM ausgerechnet bei drei Kollegen rund 11 400 DM pro Quartal und Arzt ausmachen wird. Die dabei anfallenden Spezialuntersuchungen der Weißen Liste werden durch Hormonuntersuchungen und sonstiges Labor diesen Wert zwar um mehr als das Doppelte übersteigen, nach der dann aber eintretenden Kürzung der Fallpauschale wird diese für uns gänzlich gestrichen sein.
Im Gegensatz zu den angenommenen Größen, wobei die Bundes-KV mit einer Besuchsfrequenz von zwei Arztkontakten im Quartal und Patientin bei den Gynäkologen rechnet, sehen wir im Mittel Patientinnen bei einer intensiven Sterilitätsbehandlung mit stimulierten Zyklen rund 12 mal pro Quartal, so daß auf der Hand liegt, daß für uns die vorgesehenen Fallpauschalen absolut lächerlich sind und ein Überleben nicht möglich machen. In vielen anderen Spezialpraxen mit hochkarätig weitergebildeten Kollegen dürften ähnliche Verhältnisse herrschen.
Will man bei der Bundes-KV eigentlich die Spitze der medizinischen Versorgung im Vertragsarztbereich in Deutschland zerschlagen und nur noch Durchschnittspraxen erlauben, die möglichst viele Patienten sehen, um möglichst wenig differenzierte Therapie bei ihnen durchzuführen?
Man hat das Gefühl, daß bei der Planung neuer, immer absurderer Abrechnungsmodelle nur noch Bürokraten am Werke sind, die mit Gesamtpunktzahlen und Punktwerten jonglieren, um eine möglichst gleichmäßige Streuung zu erhalten, ohne dahinter verborgene Krankheitsfälle und Patienten zu sehen . . .
Wie beim Qualitätsniedergang unserer Schulen und Hochschulen, die ein ähnliches Prinzip in der Vergangenheit verfolgt haben, sehe ich in Zukunft im Bereich der Vertragsärzte nur noch tiefdunkelschwarz für das Niveau der medizinischen Versorgung, wenn diese geplanten Modelle zum Standard erhoben werden.
Priv.-Dozent Dr. med. Ulrich A. Knuth, Verband Reproduktionsmedizinischer Zentren Deutschlands e.V.i.G., Schomburgstraße 120, 22767 Hamburg
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote