ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2018Okulär bedingter Schiefhals
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Wenn ich die eindrucksvollen Bilder der „growing rods“ in der Behandlung der frühkindlichen Skoliose betrachte (1), kommen mir zahlreiche Kinder mit Skoliose infolge eines okulär bedingten Schiefhalses in Erinnerung. Diese Patienten hatten mitunter im Erwachsenenalter chronische Schmerzen und waren in der Kindheit oft an der Wirbelsäule operiert worden. Die ursächliche Diagnose war leider nie gestellt worden, weder durch die erstbehandelnden Kinderärzte noch später durch Orthopäden oder Ophthalmologen.

Das ursprüngliche Krankheitsbild einer Trochlearisparese mit Schiefhaltung des Kopfes hatte sich im Laufe der Zeit durch Kompensation der Körperhaltung so stark abgeschwächt, dass nur noch die Skoliose und eben die Kopf- und Rückenschmerzen resultierten. Die Korrekturen erfolgten dann leider am falschen Ort. Nicht an den Augenmuskeln, sondern an der Hüfte oder der Wirbelsäule.

Bemerkenswert ist, dass nicht nur die Trochlearisparese mit dem klassischen Schiefhals und der Zwangshaltung derartige Probleme verursacht. Auch alle anderen Störungen der Augenmotorik, wie beispielsweise Mikrostrabismus, Stabismus und Heterophorien, bei denen die Augenmuskelparese zu Kopfzwangshaltungen und nachfolgender Skoliose führt, haben entsprechenden Probleme zur Folge.

Die oft kaum sichtbare Kopfzwangshaltung geht zur Entlastung immer in Richtung des paretischen Muskels. Bei Skoliosen sollte deswegen stets auch an ophtalmologische Ursachen gedacht werden, damit nicht an falschen Stellen therapiert wird.

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0609a

Dr. med. Fritz Gorzny

Augenarzt

Mülheim-Kärlich

dr.gorzny@gmx.de

1.
Ridderbusch K, Spiro AS, Kunkel P, Grolle B, Stücker R, Rupprecht M: Strategies for treating scoliosis in early childhood. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 371–6. VOLLTEXT
1.Ridderbusch K, Spiro AS, Kunkel P, Grolle B, Stücker R, Rupprecht M: Strategies for treating scoliosis in early childhood. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 371–6. VOLLTEXT

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