ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2018Depressionen: Mehr Suizide durch Klimawandel

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Depressionen: Mehr Suizide durch Klimawandel

PP 17, Ausgabe September 2018, Seite 408

Meyer, Rüdiger

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Ein Anstieg der Suizide im Sommer, der bereits im 19. Jahrhundert beobachtet wurde, bedeutet, dass sich nach den derzeitigen Klimavorhersagen im Jahr 2050 in den USA und in Mexiko bis 21 000 zusätzliche Menschen das Leben nehmen, wenn die in Nature Climate Change vorgestellten Berechnungen zutreffen. Warum sich in den sonnigen Sommermonaten mehr Menschen als in den trüben Wintermonaten das Leben nehmen, ist Forschern ein Rätsel.

Die Assoziation war in den USA als einem reicheren Land ebenso nachweisbar wie in Mexiko, das eine deutlich geringere Wirtschaftsleistung hat. In Mexiko war jedes Grad mehr auf der Temperaturskala mit einem Anstieg der Suizidrate um 2,1 Prozent verbunden, in den USA stieg die Rate um 0,7 pro Grad Celsius. Die Assoziation war in den USA im gesamten Untersuchungszeitraum von 1970 bis 2004 und in Mexiko von 1990 bis 2010 nachweisbar. Die Ursache scheint eine temperaturbedingte Zunahme depressiver Gedanken zu sein. Eine Analyse von Twitter-Tweets ergab, dass mit der Temperatur die Anzahl der depressiven Wörter wie „einsam“, „gefangen“ oder „suizidal“ parallel zu den Außentemperaturen ansteigt.

Wenn der Trend in den nächsten Jahren anhält, könnte es in den USA im Jahr 2050 etwa 14 020 Suizide mehr geben als derzeit (95-%-Konfidenzintervall 5 600–26 050). Für Mexiko rechnet Burke mit 7 460 zusätzlichen Suiziden, wobei die prognostizierte Zunahme hier statistisch nicht signifikant war (minus 8 890 bis 18 300). rme

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Burke M, González F, Baylis P, et al: Higher temperatures increase suicide rates in the United States and Mexico. Nature Climate Change 2018; doi: 10.1038/s41558–018–0222-x.

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