ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2018E-Mental-Health: Replik der Autorinnen
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Wir freuen uns sehr darüber, dass unser Überblicksartikel zur Psychoanalyse im Internet zu so viel Diskussion und Reflexion anregt und bedauern gleichzeitig, dass unsere Aussagen von Mitgliedern der Arbeitsgruppe „Psychoanalyse und Internet“ missverstanden werden und uns ein Unverständnis für psychoanalytische Konzepte unterstellt wird. Wir würden dem psychoanalytischen Diskurs um das Thema Internet eine rein ideologisch geführte inneranalytische Debatte unterstellen und nicht näher erläutern, was wir an der inneranalytischen Kontroverse einseitig finden. Dazu möchten wir Stellung beziehen: Zum einen sind auch wir als Psychoanalytikerinnen Teil des psychoanalytischen Diskurses und haben nicht vor, mit unserer neugierigen und offenen Haltung gegenüber neuen Medien Psychoanalytiker generell als Netz-ablehnend darzustellen. Die Spaltungstendenz, die in der Kritik von Jürgen Hardt und Rupert Martin zum Ausdruck kommt, in „erfahrene Psychoanalytiker, die das Internet kritisch hinterfragen“ und „Autorinnen, die psychoanalytische Konzepte unverstanden wiedergeben“, möchten wir an dieser Stelle kritisch bemerken. Mit unserer Äußerung zu einseitig geführten Kontroversen über Vor- und Nachteile der Internetnutzung im psychoanalytischen Kontext beziehen wir uns, wie unser Literaturverzeichnis auch verdeutlicht, vorwiegend auf die englischsprachige Literatur, da uns Veröffentlichungen einer deutschen Arbeitsgruppe zur Psychoanalyse und Internet bisher leider unbekannt sind. Wenn eine Arbeitsgruppe diesbezüglich offline bleibt, das heißt nichts veröffentlicht – außer nun einen ersten Leserbrief –, dann bleiben ihre Gedanken dazu leider tatsächlich inneranalytisch.

Der widersprüchliche Diskurs, den wir bemerken, liegt in einer Ambivalenz zwischen Zweifel und Kritik an der Verwendung neuer Medien in der Psychoanalyse, bei gleichzeitiger Faszination für dieses Thema. Dabei verfolgen wir in unserem Beitrag, wie Hardt und Martin richtig bemerken, tatsächlich einen praktischen, das heißt praxisnahen Zugang. Da wir uns in der hitzigen Debatte um das Thema Internet und Psychoanalyse weder einer blinden Faszination hingeben möchten, das Internet jedoch auch nicht als Trenderscheinung verstehen, erscheint es uns auch nach wie vor als sinnvoll, im psychoanalytischen Diskurs die Chancen der Internetnutzung zu beleuchten. Insbesondere weitere empirische Untersuchungen empfinden wir als nötig, um den Gebrauch moderner Medien in der psychoanalytischen Praxis zu erheben und zu evaluieren und damit jenseits emotionaler Debatten zu führen.

Abschließend sei auf die Metapher einer psychoanalytischen Kollegin (Kudiyarova, 2013) hingewiesen: Psychoanalytische Sitzungen besitzen die Unmittelbarkeit des „Gestillt-Werdens“ und die Einführung von Skype in den analytischen Prozess könnte sich im Vergleich zunächst anfühlen wie der Switch von der Brust auf die Flasche. Die Frage bei dieser Veränderung ist, ob die Mutter es weiterhin schafft, das Kind liebevoll im Arm zu halten.

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Univ.-Prof. Dr. phil. habil. Christiane Eichenberg,
Univ.-Ass. Lisa Hübner
, 1030 Wien

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