ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2018Elternschaft: Psychische Belastungen bei werdenden und jungen Vätern

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Elternschaft: Psychische Belastungen bei werdenden und jungen Vätern

PP 17, Ausgabe September 2018, Seite 423

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Schwangerschaft, Geburt und die erste Zeit mit dem Baby bringen viele Veränderungen im Leben von Eltern mit sich. Wie Männer sich an diese neuen Umstände anpassen, ist bislang jedoch kaum untersucht worden. Deshalb haben die amerikanischen Psychologinnen Laura Sockol vom Davidson College und Kelly Allred von der University of Pennsylvania 145 Männer, die bald zum ersten Mal Vater wurden, sowie 137 Männer, die vor Kurzem zum ersten Mal Vater geworden waren, online zu ihren Gefühlen und Erfahrungen befragt. Sie fanden heraus, dass Denkfehler und Irrtümer bei werdenden und jungen Vätern starke Selbstzweifel, Ängste und Depressionen auslösen können. So meinten einige zum Beispiel, dass sie von anderen als schlechte Väter angesehen werden würden, wenn es ihnen nicht gelang, ihr Kind zu beruhigen, oder wenn sie um Rat und Hilfe baten. Von anderen wurde geäußert, dass sie sich allein verantwortlich für ihr Kind fühlten und meinten, dass sie immer mit ihm zusammen sein müssten. Außerdem beurteilten sich Männer schlecht, wenn sie glaubten, als Väter zu versagen, und sie verboten es sich, gemischte Gefühle gegenüber dem Kind zuzugeben oder vom Vater-Sein enttäuscht zu sein. Nach Meinung der Autorinnen haben solche Männer zu hohe Ansprüche an sich selbst und gestatten sich nicht, Fehler zu machen. Sie setzen sich stark unter Druck, verkennen die Realität und unterdrücken ihre Gefühle. War die Beziehung zur Partnerin von Spannungen und Streitereien beeinträchtigt, wurden die negativen Denkmuster noch verstärkt. Betroffene Männer liefen Gefahr, verschiedene Ereignisse rund um die Geburt und das Neugeborene negativ zu bewerten und als Stress zu empfinden, wodurch sich Aggressionen, Ängste und Depressionen entwickeln konnten. „Die psychische Belastung von Männern, die bald Vater werden oder es seit Kurzem sind, sollte stärker wahrgenommen und bei Bedarf fachgerecht behandelt werden“, fordern Sockol und Allred. Hierzu eigneten sich zum Beispiel kognitive Verhaltenstherapie und Paartherapie. ms

Sockol LE, Allred K: Correlates of symptoms of depression and anxiety among expectantand new fathers. Psychology of Men & Masculinity 2018; 19(3): 362–372.

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