ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2018Wolfgang Schmidbauer: Vom Psychoanalytiker zum Weltweisen

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Wolfgang Schmidbauer: Vom Psychoanalytiker zum Weltweisen

PP 17, Ausgabe September 2018, Seite 424

Moser, Tilmann

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Einer unserer erfolgsverwöhntesten psychotherapeutischen Schriftsteller, mit Dutzenden von Büchern über Psychoanalyse, Paartherapie, hilfreichen Deutungen der Schwierigkeiten in manchen sozialen Berufen (zum Beispiel „Hilflose Helfer“), in einer großen Zeitschrift wöchentlicher allgemeinverständlicher Paarberater, wechselt nun endgültig den Beruf und wird zum Weltweisen. Er schöpft aus dem Füllhorn seiner tiefen Freud-Kenntnis, seiner Therapieerfahrung, seiner Literaturkunde und Geschichts- und Geschichtenkenntnis und beglückt uns mit einer geballten Weisheit über unser menschliches und allzu menschliches Leben. Man saust durch die blühenden oder düsteren Fluren der Seele und nimmt an Erkenntnissen mit, was je nach dem Stand der inneren und äußeren Nöte gerade brauchbar ist, vor allem zu Kränkung und Kränkbarkeit. Und es ist vieles brauchbar, liebevoll und warmherzig aufbereitet für den bürgerlich-neugierigen Leser, der der illustrierten Ratgeberjournale überdrüssig geworden ist und deftigere Kost für seine Selbsterforschung sucht. Dies auch für die Deutung von oft rätselhaften Zeitgenossen in seiner Umgebung, die endlich durchschaut gehören in ihren vielen Verletztheiten. Psychoanalyse wird vom Autor in handliche Stücke gegossen, und sein Buch hebt die psychologische Allgemeinbildung unserer Nation in ungeahnte Höhen.

Ich will nicht lästern, ich bewundere ihn seit Langem, er ist zum Lehrer der Nation in Sachen Seelenkunde geworden, auf unterschiedlichen und wechselnden intellektuellen Ebenen. Eben ein Weltweiser, dem man zutraut, uns auch durchs halbdunkle Unterholz unserer Gemütszustände zu lotsen: Volksbildung im besten Sinne, von Jugendlichen als Geschenk geeignet für noch halb vorgestrige Eltern, und von moderneren Eltern für ratlose Pubertierende, die eigenes Wissen den ständig unerbetenen Rat spendenden Jungvorderen mit mahnenden Zeigefingern entgegensetzen wollen.

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Kränkbarkeit ist ein Volksleiden, und es ist erfreulich, wie er deren Ursprünge aufzeigt und viele Hinweise gibt auf dessen Bekämpfung. Denn sie zehrt an uns, und zu lange verdrängt neigt sie zu vulkanischen Ausbrüchen und was schlimmer ist, zur Rachsucht. Sie ist beim Entstehen schon verbunden durch Beschämung und Entwertungsgefühlen, und die nagen am Selbstwertgefühl. Und dessen Beschädigung kann wiederum mit einfühlsamer Psychotherapie begegnet werden, vorausgesetzt, der Heiler verfügt über Einfühlung, Herzenswärme und vor allem Geduld, und durchgearbeitete eigene Kränkungen. Für all diese Kümmernisse gibt es den einträglichen Reparaturbetrieb viele orthodoxer und bunter Wildwuchsmethoden, kassenfinanziert oder zum Selbstzahlen verdammt. Über all dem schwebt nun unser Weltweiser, und das ist in gewissem Umgang beruhigend, er könnte sogar verhindern, dass weniger Verstörte dringend in die Psychiatrie müssen. Tilmann Moser

Wolfgang Schmidbauer: Die Geheimnisse der Kränkung und das Rätsel des Narzissmus. Seelische Verletzlichkeit in der Psychotherapie. Klett-Cotta-Verlag, Stuttgart 2018, 280 Seiten, kartoniert, 30,00 Euro

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V. Bracke
am Samstag, 15. September 2018, 14:03

Welch eine Zumutung!

Nichts erfahre ich als potentieller Leser über das "besprochene" Buch, viel dagegen über die Herren Moser und Schmidbauer (sensu Moser). Moser will lästern - das verdeutlicht das ungefragte Dementi in der Mitte des Artikels - und tut es auf pubertärste Art. Oder wollte er eines der "Geheimnisse der Kränkung", eines der Rätsel des Narzissmus" am eigenen Beispiel veranschaulichen? Das wäre dann kaum gelungen: inhaltlich wegen seiner zwischen kryptisch und nichtssagend pendelnden Andeutungen nicht, und formal leider auch nicht angesichts der hohen Dichte an grammatischen und Satzbau-Fehlern, falschen Bezügen und einfach verschwurbelten Sätzen in diesem quantitativ wie qualitativ überschaubaren Text.
Von der Redaktion dieser Zeitschrift wünschte ich mir, ein Mindestmaß an Zeit fürs Lektorieren solcher Artikel (auch von scheinbar bewährten alten Autoren) aufzuwenden, um ähnliche Peinlichkeiten zukünftig zu vermeiden.
V. Bracke, Memmingen

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