ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2018Psychotherapie-Richtlinien: Gelungene Grundlage für den Praxisalltag

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Psychotherapie-Richtlinien: Gelungene Grundlage für den Praxisalltag

PP 17, Ausgabe September 2018, Seite 427

Golombek, Jürgen

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Zu den neuen Psychotherapie-Richtlinien (PT-RL) und der Psychotherapievereinbarung (PTV) liegt seit einer Weile der überarbeitete Kommentar in 11. Auflage vor. Die bisherige Gliederung mit verfahrensübergreifend und verfahrensspezifisch aufgebauten Kapiteln wurde beibehalten, die Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie hat ein eigenes Kapitel erhalten, kürzer gestaltet wurde der historische Abriss. Einzelne Abschnitte, wie die Honorarabsprache bei Nichterscheinen des Patienten, sind im Buch der besseren Übersichtlichkeit und Nachschlagemöglichkeit anderen Kapiteln zugeordnet worden (hier jetzt unter Abrechnung). Erfreulich ist, dass die Teilbefürwortungen umfänglicher erläutert werden. Der Kommentar zu den PT-RL enthält wie gewohnt den Wortlaut der PT-RL, der PTV, aber auch die Beihilfevorschriften.

Die PT-RL definieren, wann eine Psychotherapie zulasten der Krankenkassen indiziert ist, es aber auch andere Behandlungsoptionen gibt, wie zum Beispiel die psychosomatische Grundversorgung, auf die in einem eigenen Kapitel eingegangen wird. Die im Buch prägnante Beschreibung des Begriffes Krankheit ermöglicht Abgrenzungen zum Beispiel von Beratungsleistungen.

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Die Änderungen der PT-RL wie Sprechstunde, Akutbehandlung werden im Kapitel 3 dargestellt, dabei Unterschiede von Sprechstunde und probatorischen Sitzungen inhaltlich nachvollziehbar erläutert, Rezidivprophylaxe, kombinierte Behandlungen im Kapitel 4, das auch verfahrensübergreifende Aspekte der Indikationskriterien von psychotischen Erkrankungen, Traumafolgestörungen und Abhängigkeitserkrankungen kompakt und übersichtlich ausführt. Im Kapitel der psychoanalytisch begründeten Verfahren sind im Vergleich zu früheren Auflagen die Abschnitte zur tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie etwas klarer in Definition, in Abgrenzung und Anwendungsbezogenheit, vor allem beim möglichen Einbezug strukturell gestörter Patienten, erläutert.

Das Buch beschreibt alle Bereiche nachvollziehbar und verständlich. Änderungen sollten jedoch klarer hervorgehoben werden, zum Beispiel, dass eine Probetherapie zur Festlegung von Behandlungsumfang und -frequenz nicht mehr vorgesehen ist, die Notwendigkeit der Begleitbehandlung bei Suchterkrankungen (Kapitel 4) oder Lebensbegleitung, wie bei Persönlichkeitsstörungen, nicht zum Versorgungsbereich gehören.

Mit den neuen PT-RL ist auch der Leitfaden zur Erstellung des Berichtes an den Gutachter verkürzt und verfahrensübergreifend angepasst worden. Jedem ambulant Tätigen sind insbesondere die Erläuterungen zu den Verfahren (Kapitel 5, 6, 7) ebenso zu empfehlen wie die Kommentare zu dem sich aus dem Leitfaden ergebenden Bericht an den Gutachter. Diese hätten eine etwas größere Untersetzung verdient, wird doch hier eine Orientierung gegeben, was vom Berichterstatter erwartet wird.

Mut sollte der Hinweis machen (Seite 59), dass Gutachter nicht „möglichst glatte Berichte wollen“, sondern auf den konkreten Erfahrungen basierte Behandlungsverläufe, auch wenn dies mit reduzierten Erwartungen einhergehen sollte. Ungeachtet der strittigen Stellung der Berichte an den Gutachter in der Profession bietet der „Kommentar“ eine gelungene Grundlage für den Praxisalltag in der Arbeit mit Patienten, der Gestaltung der Anträge und der Erstellung der Kassenanträge, deren Bewilligung immerhin durch das Vorhandensein von PT-RL und PTV eine Honorierung des jeweiligen Behandlungsfalles garantieren. Jürgen Golombek

M. Dieckmann, A. Dahm, M. Neher (Hrsg.): Faber-Haarstrick. Kommentar Psychotherapie-Richtlinien. Urban & Fischer Verlag, München 2017, 224 Seiten, kartoniert, 52,00 Euro

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