ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2018Stavros Mentzos: Erinnerung an einen großen Psychoanalytiker

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Stavros Mentzos: Erinnerung an einen großen Psychoanalytiker

PP 17, Ausgabe September 2018, Seite 426

Maier, Christian

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Dieses Buch ist eine Reaktion auf den Verlust eines geliebten Menschen, des 2015 verstorbenen Psychiaters und Psychoanalytikers Stavros Mentzos. Herausgegeben und auch geschrieben wurde es von ehemaligen Mitarbeitern, Supervisanden und Lehranalysanden. Es entstand aus dem „Bedürfnis, diesem Tod etwas entgegenzusetzen – indem wir uns weiterhin und nun erst recht mit Mentzos und seinem Werk befassen“. Was nun an Mentzosʼ Werk so erhaltenswert sei, führt das gute Dutzend an Autoren aus unterschiedlichen Blickwinkeln und mit zum Teil sehr persönlichen Beispielen aus. Wenn es so etwas wie einen roten Faden darin gibt, so findet er sich in der besonderen Wertschätzung, die Mentzos den Symptombildungen seiner Patienten entgegenbrachte – einer Haltung von „Achtung und Respekt vor der Funktion der Dysfunktionalität psychischer Störungen“. Beispielhaft ist diesbezüglich Mentzos’ Konzept zur Theorie und Behandlung der schizophrenen Psychosen, das dem Leser in diesem Buch sehr klar und übersichtlich zur Darstellung gebracht wird. Im Nachfolgenden wird auch immer deutlicher, dass in den Theorien von Stavros Mentzos das Dilemma des psychotischen Patienten lediglich als die am stärksten zugespitzte, deshalb als charakteristisch formulierte Ausprägung eines Konflikts um selbst- und objektbezogene Strömungen erscheint. Darüber hinaus handelt es sich um den Entwurf einer allgemeinen, dabei doch in der Psychoanalyse verwurzelten psychologischen Theorie von der „universellen Bipolarität des Menschen“.

So wichtig und hoffentlich auch die psychologischen Theorien dauerhaft bereichernd diese Theorien sein mögen, so bildet das Herzstück dieses Bands doch das Interview mit Stavros Mentzos zu seinem 80. Geburtstag. Zwar geht es auch hier um die eine oder andere Theorie, doch war für Mentzos die Theorie immer nur ein „Versuch, das intuitiv Gedachte begrifflich zu verstehen“. Vielmehr wird in diesem Gespräch die Haltung dieses Arztes und Psychoanalytikers fassbar, und man versteht von Seite zu Seite mehr, warum es den Autoren ein Anliegen ist, die Erinnerung an ihn wachzuhalten. Wie lässt sich diese Haltung beschreiben, wodurch zeichnet sie sich aus? Der Titel des Buches gibt sie kurz und bündig wieder – „von Liebe beseelt und von Wissen geleitet“. Christian Maier

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Thilo Maria Naumann, Cornelia Krause-Girth (Hrsg.): Psychoanalytisches Verstehen – von Liebe beseelt und von Wissen geleitet. Erinnerungen an Stavros Mentzos. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2018, 228 Seiten, gebunden, 40,00 Euro

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