ArchivDÄ-TitelSupplement: PerspektivenNeurologie 1/2018Schlaganfallprävention: Fixdosis ist nicht zielführend

Supplement: Perspektiven der Neurologie

Schlaganfallprävention: Fixdosis ist nicht zielführend

Dtsch Arztebl 2018; 115(37): [31]; DOI: 10.3238/PersNeuro.2018.09.14.06

Meyer, Rüdiger

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Bisher vernachlässigt: Das Körpergewicht hat einen erheblichen Einfluss auf die optimale Dosis von Acetylsalicylsäure (ASS) in der Primär- und Sekundärprophylaxe des Schlaganfalls.

Foto: stock.adobe.com
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Die Wirksamkeit von Acetylsalicylsäure (ASS) zur Vorbeugung von Herzinfarkten und Schlaganfällen hängt stark vom Körpergewicht ab. Eine aktuelle Publikation lässt vermuten, dass lediglich ein Bruchteil der Risikopatienten mit der Standarddosis von 75–100 mg ASS ausreichend geschützt ist. Ab einem Körpergewicht von 70 kg, so die Analyse von 14 Studien, sind niedrige ASS-Dosen weniger wirksam. Gleichzeitig scheinen leichtere Menschen nicht von höheren Dosen zu profitieren. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) fordern daher, dass die derzeit praktizierte „One dose fits all“-Strategie neu bewertet werden muss.

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Weltweit nimmt etwa eine Milliarde Menschen regelmäßig prophylaktisch ASS in einer fixen Dosierung ein. Der dadurch erreichte Schutz vor kardiovaskulären Ereignissen ist jedoch relativ gering. Ein möglicher Grund könnte die nicht optimal ans Körpergewicht angepasste Dosierung sein, vermutete ein internationales Team um Prof. Peter M. Rothwell (Oxford) und überprüfte diese Hypothese anhand von 10 Studien zur Primärprävention und 4 zur Sekundärprophylaxe nach Schlaganfall mit ASS.

Insgesamt 117 279 Menschen hatten an diesen Studien teilgenommen. Sie wurden anhand des Körpergewichts in Schritten von je 10 kg und anhand der Körpergröße in Schritten von je 10 cm in verschiedene Gruppen eingeteilt. Dabei stellte sich heraus, dass niedrig dosiertes ASS (75–100 mg täglich) bei Menschen zwischen 50–69 kg das Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis um durchschnittlich 25 % reduzierte. Schon ab 70 kg zeigte sich aber kein eindeutiger Nutzen mehr, und die Sterblichkeit bei einem ersten Ereignis war für Personen ab 70 kg sogar um ein Drittel erhöht.

Umgekehrt war hoch dosiertes ASS (≥ 325 mg täglich) nur bei relativ schweren Menschen ab 70 kg geeignet, um Herzinfarkte und Schlaganfälle zu verhindern, nicht aber bei denjenigen mit einem Gewicht unterhalb dieser Schwelle.

„Wir müssen davon ausgehen, dass sehr viele Menschen in der Primär- und Sekundärprophylaxe unterversorgt sind. Denn etwa 80 % aller Männer und die 50 % aller Frauen wiegen mehr als 70 kg“, so Prof. Dr. med. Armin Grau, 1. Vorsitzender der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG). Die Neurologen halten vertiefende Forschungen für dringend notwendig – auch im Hinblick auf eine eventuelle Neubewertung der derzeit gültigen Leitlinienempfehlungen. „Wünschenswert wäre eine randomisierte Studie in der Sekundärprävention nach transienter ischämischer Attacke und ischämischem Insult bei Personen mit einem Körpergewicht von über 70 kg“, ergänzt der Direktor der Neurologischen Klinik am Klinikum der Stadt Ludwigshafen.

DOI: 10.3238/PersNeuro.2018.09.14.06

Rüdiger Meyer

Quelle: Rothwell PM, et al.: Effects of aspirin on risks of vascular events and cancer according to bodyweight and dose: analysis of individual patient data from randomised trials. Lancet 2018; 392: 387–99.
doi: https://doi.org/10.1016/S0140–6736(18)31133–4.

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