ArchivDeutsches Ärzteblatt26/1996EBM: Gefährdete Fachgruppen aufwerten

SPEKTRUM: Leserbriefe

EBM: Gefährdete Fachgruppen aufwerten

Dickopf, Gunter

Zu den Beiträgen "Mit Praxisbudgets zum stabilen Punktwert" von Josef Maus in Heft 21/1996 und "Wir brauchen endlich wieder Ruhe in unserem Arbeitsalltag" von Dr. med. Winfried Schorre in Heft 22/1996:
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LNSLNS Warum steht im Blickpunkt der KBV eigentlich die Stabilisierung des Punktwertes? Auf den ersten Blick bekommen wir natürlich alle Bauchschmerzen, wenn wir die prognostizierten Punktwerte um 6 Pfennig lesen, aber die einzig interessante Zielgröße ist doch der Umsatz. Ein um 30 Prozent gesunkener Punktwert bei um 30 Prozent gestiegener Punktmenge wird zwar zum teuren Nullsummenspiel, aber eine größere wirtschaftliche Gefährdung als zuvor kann ich darin nicht erkennen. Interessant sind einzig die Verschiebungen zwischen den Fachgruppen, und nur diese sollten Ausgangspunkt aller weiteren Überlegungen sein. Wenn Herr Schorre die "Zunahme der erbrachten Leistungen" beklagt, so nährt er damit das populäre Bild von dem sich an der Solidargemeinschaft bereichernden Medizinkapitalisten. Das sollte unser oberster Interessenvertreter aber nicht tun. Darüber hinaus beklagt er damit die Effekte seiner eigenen und vor kurzem noch als Errungenschaft dargestellten Reform. Zur einzig vernünftigen Konsequenz aber fehlt ihm offensichtlich der Mut: einzugestehen, daß 6 Pfennig pro Punkt nicht gut klingt, aber eigentlich nichts bedeutet, wenn die Verteilungsrelation zwischen den Fachgruppen stimmt. Daß diese Verteilung zur Zeit nicht optimal ist, wissen wir inzwischen. Eine Kappung des Punktmengenzuwachses hat zwar möglicherweise indirekt Einfluß auf die Verteilungsfunktion, führt aber mit Sicherheit die honorarpolitischen Ziele der EBMReform ad absurdum und widerspricht dem Prinzip der leistungsorientierten Honorierung. Wesentlich effektiver und ohne diese Nebeneffekte wäre die Verteilung direkt zu beeinflussen, indem die gefährdeten Fachgruppen entsprechend der negativen Umsatzentwicklung aufgewertet werden – "der OIII-Weg". Das führte zwar zu einem weiteren Punktwertverfall, da die Honorarmenge aber konstant ist, ergibt sich daraus nur eine Verschiebung, die die Verwerfungen der Reform ausgleicht. Punktwertkosmetik hilft uns mit Sicherheit nicht. Der Hamsterradeffekt läßt sich ohnehin nur abstellen, wenn der Topfdeckel abgenommen wird – illusorisch – oder wenn die von Herrn Schorre in Aussicht gestellte Budgetierung zu einer so niedrigen Kappungsgrenze führt, daß praktisch alle Praxen darüber liegen. Und dann sind wir beim Gehalt.
Dr. med. Gunter Dickopf, Salzstraße 22, 01640 Coswig
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