ArchivDeutsches Ärzteblatt26/1996EBM: Sterilität nicht stigmatisieren

SPEKTRUM: Leserbriefe

EBM: Sterilität nicht stigmatisieren

Storz, Albrecht

Zu den Beiträgen "Mit Praxisbudgets zum stabilen Punktwert" von Josef Maus in Heft 21/1996 und "Wir brauchen endlich wieder Ruhe in unserem Arbeitsalltag" von Dr. med. Winfried Schorre in Heft 22/1996:
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LNSLNSLNSLNS Mit Entsetzen habe ich die Forderung der KBV und des Herrn Kollegen Schorre vernommen, "Maßnahmen zur künstlichen Befruchtung aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen zu streichen". Um gleich einem Mißverständnis vorzubeugen: ich selber führe keine solche Maßnahmen durch, wäre also davon wirtschaftlich in keiner Weise betroffen.
Hier soll eine kleine, schwache Minderheit aus mir völlig unerfindlichen Gründen von den Leistungen der Krankenkassen ausgeschlossen werden. Diese Minderheit einer kleinen Gruppe von Sterilitäts-Patientinnen und deren Partner hat keinerlei Lobby. Sie kann sich nicht wehren, da sie nicht an die Öffentlichkeit treten kann. Nach wie vor ist die Sterilität, obwohl weit verbreitet, gesellschaftlich stigmatisiert. Die Grünen und viele Linksintellektuelle stehen den Sterilitäts-Therapien ablehnend bis kritisch gegenüber (wenngleich sie – nach eigener Erfahrung – bei Betroffenheit diese gerne gebrauchen!). Aus diesem Grund meint wohl die KBV, diese Gruppe der Sterilitätspatientinnen ohne größeren Widerstand und Protest ausschließen zu können. Dies empfinde ich als perfide! Als Frauenarzt muß ich mich mit aller Deutlichkeit dagegen wehren.
Sterilität ist nach gültiger Rechtsprechung als Krankheit anerkannt. Folgerichtig gehören wissenschaftlich fundierte Sterilitäts-Therapien zum Leistungskatalog der Krankenkassen und übrigens auch der Beihilfe. Ich möchte nicht wieder dahin kommen, daß die beamtete Lehrerin ihre Therapie bezahlt bekommt, die Arbeiterin nicht. Weshalb soll die wissenschaftlich anerkannte und fundierte Therapie einer Erkrankung ausgeschlossen werden? Ich erkenne darin keine Logik. Ist der KBV der Leidensdruck der betroffenen Paare und der Krankheitswert der Sterilität bewußt? Wieso wird Sterilisation bezahlt, obwohl es dabei nicht um die Therapie einer Erkrankung geht? Zeigt sich hier wieder mal unsere kinderfeindliche Gesellschaft? Ich fordere von der KBV, schleunigst diesen Vorschlag fallen zu lassen . . . Dr. med. Albrecht Storz, Schuhstraße 4, 72108 Rottenburg
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