ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2018Reproduktionsmedizin: Polkörperdiagnostik vor Embryotransfer verbessert die Chance auf ein Baby nicht

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Reproduktionsmedizin: Polkörperdiagnostik vor Embryotransfer verbessert die Chance auf ein Baby nicht

Dtsch Arztebl 2018; 115(37): A-1597 / B-1350 / C-1338

Meyer, Rüdiger

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: Andrea Danti/stock.adobe.com
Foto: Andrea Danti/stock.adobe.com

Mit zunehmendem Alter der Frau steigt die Zahl von chromosomalen Fehlverteilungen in der Eizelle. Die Aneuploidien sind eine wichtige Ursache verminderter Fruchtbarkeit. Viele Kinderwunschzentren, auch deutsche, bieten älteren Frauen daher eine Polkörperdiagnostik an.

In der randomisierten Studie ESTEEMA, einer Initiative der European Society of Human Reproduction and Embryology, ist geprüft worden, ob sich mit Anwendung der Polkörperdiagnostik die Zahl der Lebendgeburten erhöhen lässt. An der internationalen Studie nahmen auch 3 deutsche Zentren teil. 396 Frauen mit Kinderwunsch im Alter von 36–40 Jahren wurden in 2 Gruppen randomisiert: Untersuchung der 1. und 2. Polkörper auf Aneuploidie mit dem CGH-Array (n = 205) nach intrazytoplasmatischer Spermieninjektion (ICSI). Der Test weist die Aneuploidie anhand von DNA-Kopienzahlveränderungen nach. Bei den anderen 191 Frauen erfolgte die ICSI ohne Chromosomenscreening.

Der Array-CGH detektierte zwar bei 65 % der untersuchten Eizellen eine Aneuploidie. Die Nichtverwendung dieser Eizellen halbierte auch die Rate der Fehlgeburten von 14 auf 7 % (relatives Risiko: 0,48; 95-%-Konfidenzintervall [95-%- KI] [0,26; 0,90]). Doch die erhoffte Zunahme der Lebendgeburten blieb aus. Von den 205 Frauen mit Chromosomenscreening gebaren 50 (24 %) innerhalb eines Jahres ein lebendes Kind. In der Kontrollgruppe erfüllte sich der Kinderwunsch bei 45 von 191 Frauen (24 %). Die Differenz von 0,83 Prozentpunkten war irrelevant und nicht signifikant.

Fazit: Eine genetische Untersuchung der Polkörper auf zahlenmäßige Veränderungen der Chromosomen hat in einer randomisierten Studie bei älteren Frauen zwar die Zahl der Fehlgeburten gesenkt, die Rate der Lebendgeburten aber nicht erhöht. Ein Grund für das enttäuschende Ergebnis der Studie könnte die um 19 % geringere Zahl der transferierten Embryonen bei Polkörperdiagnostik sein – möglicherweise in Erwartung einer höheren Erfolgsrate. In beiden Gruppen war die Implantation von maximal 2 Embryonen erlaubt gewesen. Rüdiger Meyer

Verpoest W, Staessen C, Bossuyt PM, et al.: Preimplantation genetic testing for aneuploidy by microarray analysis of polar bodies in advanced maternal age: a randomized clinical trial. Human Reproduction 2018; doi: 10.1093/humrep/dey262.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema