ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2018Neuralrohrdefekte: Erschreckende RBC-Folatwerte
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Die Supplementation von wasserlöslichen Vitaminen ist im allgemeinen ungefährlich. Assoziationsstudien sind oft irreführend (1). Eine Metaanalyse aus Norwegen zeigte ein erhöhtes Prostatakrebsrisiko bei Verzehr von Folatsupplementen. Bei vielen Patienten, die eine Magenbypassoperation erhalten, ist eine Supplementation von Mikronährstoffen und diversen Vitaminen einschließlich Folat notwendig. Des Weiteren besteht bei vielen Patienten mit Diabetes mellitus, insbesondere unter Metformintherapie, und älteren Leuten ein Vitamin-B12-Mangel, manchmal trotz im sogenannten „Normalbereich“ gemessener Serumspiegel. Die Metaboliten Methylmalonsäure und Homozystein können bei Vitamin-B12- und bei Folsäuremangel erhöht sein (2). Sollte Folat bei nicht korrigiertem Vitamin-B12-Mangel appliziert werden, können sich neurologische und hämatologische Probleme ergeben. Dabei gilt es, auch die Blut-Hirn-Schranke zu beachten und einen verzögerten Behandlungseffekt zu erwarten. Die Messung von Serumfolat kann einen initialen Mangel anzeigen vor Eintritt eines drohenden Mangels in diversen Geweben, der sich dann in einer Reduktion von RBC-Folat zeigt. Der niedrige RBC-Folatwert bei deutschen Frauen im gebärfähigen Alter ist erschreckend und man sollte sicher die Frage stellen, wie viele Frauen in Nordamerika, die Mehl und Nudeln verzehren mit Anreicherung von Folat, einen Nachteil davon hatten. Zu bedenken bleibt, dass sogenannte Nahrungsergänzungsmittel oft keiner strikten Kontrolle unterliegen und daher nicht immer das drin ist, was draufsteht (3, 4). ... Vielleicht sollte die kombinierte Einnahme von Vitamin B12 und Folat diskutiert werden, falls der Vitamin B12-Spiegel im Serum < 400 pmol/L ist oder der Holo-Transcobalaminspiegel < 35 pmol/L bei gleichzeitig niedrig gemessenem Serumfolat.

Literatur beim Verfasser.

Prof. Dr. med. habil. Christian A. Koch, 26122 Oldenburg

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