ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2018Nierentransplantation: Makrophagen vom Spender können Immunsuppression einsparen helfen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Nierentransplantation: Makrophagen vom Spender können Immunsuppression einsparen helfen

Dtsch Arztebl 2018; 115(37): A-1597 / B-1350 / C-1338

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: yodiyim/stock.adobe.com
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Die Europäische Kommission fördert ein Programm zu zellulären Immuntherapien, die es ermöglichen sollen, die Abstoßungsprophylaxe nach Implantation solider Organe zu reduzieren oder sogar eine komplette Immuntoleranz zu induzieren (1). Eine Arbeitsgruppe der Poliklinik für Chirurgie des UK Regensburg untersucht eine Form der Zelltherapie, die bei Empfängern lebend gespendeter Nieren angewendet wird (2).

Der Ansatz: Monozyten aus dem peripheren Blut des Spenders werden in Kultur zur Differenzierung in regulatorische Makrophagen (Mregs) angeregt. Mregs kurbeln verschiedene immunsuppressive Regelkreise an. Werden sie den Organempfängern infundiert, so bewirken sie, dass sich potenziell alloreaktive CD4+ T-Zellen zu regulatorischen T-Zellen (iTreg-Zellen) weiterentwickeln, die T-Zellanworten unterdrücken und die Ausreifung von antigenpräsentierenden dendritischen Zellen hemmen. Die Phänotypisierung der iTreg-Zellen im Menschen ergab: Sie produzieren IL-10 und exprimieren FoxP3 und den Immunrezeptor TIGIT, der zu den herunterregulierenden Checkpoint-Proteinen gehört (2).

In der ONEmreg12-Studie, die am UK Regensburg im Rahmen des EU-Programms läuft, erhalten Patienten eine Woche vor Implantation einer lebend gespendeten Niere Mregs vom Spender. Nach einmaliger Mreg-Infusion fanden sich nach 168 Tagen oligo- oder monoklonale Expansionen alloantigen-spezifischer immunsuppressiver T-Zellen. Einer der Patienten ist seit 7 Jahren unter niedrig dosierter Tacrolimus-Monotherapie abstoßungsfrei. Der immunsuppressive Effekt durch iTregs tritt also nicht nur kurzfristig auf, sondern kann über die Lebensspanne der einmalig verabreichten Mregs hinaus anhalten.

Fazit: Regulatorische Makrophagen, die vom Lebendspender einer Niere vor der Transplantation dem Empfänger übertragen werden, kurbeln längerfristig immunsuppressive Regelkreise an. Erste Untersuchungen an Patienten weisen darauf hin, dass sie Medikamente für die Abstoßungsprophylaxe einsparen helfen. Ziel der Studie sei es, eine zeitnahe Zulassung des Verfahrens zu bewirken, so die Autoren.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. http://www.onestudy.org.
  2. Riquelme P, Haarer J, Kammler A, et al.: TIGIT + iTregs elicited by human regulatory macrophages control T cell immunity. Nature Communications 2018; 9: 2858. doi: 10.1038/s41467–018–05167–8.

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