Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Wir bedanken uns bei den Autoren der Diskussionsbeiträge für die kritische Auseinandersetzung mit unserem Artikel (1) und möchten im Folgenden auf einige der angesprochenen Punkte eingehen.

Die Feststellung der Einwilligungsfähigkeit ist ein wichtiger Bestandteil der Aufklärung und sollte auf dem Bogen dokumentiert werden. Ist der Patient nicht einwilligungsfähig, richtet sich die Aufklärung an den rechtlichen Vertreter und die Entscheidung muss stellvertretend getroffen werden.

Gegenstand unserer Analyse waren die schriftlichen Materialien und nicht der gesamte Aufklärungsprozess. Daher konnten wir den Aspekt Zeitaufwand nicht berücksichtigen. Aus Patientensicht ist weniger der Zeitaufwand, als vielmehr die umfassende und verständliche Aufklärung ein wesentliches Qualitätskriterium. Aufklärungsbögen, die den Kriterien für evidenzbasierte Gesundheitsinformationen entsprechen, könnten unseres Erachtens dazu beitragen, diesen Anspruch leichter umzusetzen, da wesentliche Informationen für das Aufklärungsgespräch bereits in verständlicher Weise zur Verfügung stehen.

Ein validiertes Instrument zur Bewertung von Aufklärungsbögen, das gegebenenfalls eine Klassifizierung zulassen würde, gibt es nicht. Daher erfolgte die Ergebnisdarstellung rein deskriptiv. Die von uns verwendeten Kriterien wurden anhand einer evidenzbasierten und konsensbasierten Leitlinie für evidenzbasierte Gesundheitsinformationen definiert. Nach diesen Kriterien sind die von uns untersuchten Bögen nicht geeignet, eine informierte Entscheidung zu unterstützen. Trotz gewisser Qualitätsunterschiede würden wir keinen der Bögen als sehr gut bezeichnen. In allen Bögen fehlten Angaben zu den verwendeten Quellen und eine angemessene numerische Darstellung von Nutzen und Schaden. Unsere Analyse lässt keine generelle Aussage zur Qualität aller Aufklärungsbögen zu, aber von einer gewissen Übertragbarkeit der Ergebnisse ist auszugehen.

In einem Prozess der gemeinsamen und informierten Entscheidungsfindung sollte der Patient auf Basis der bestverfügbaren Evidenz abwägen, welche der Optionen seinen eigenen Präferenzen und Vorstellungen entspricht. Somit stimmen wir zu, dass ein Aufklärungsgespräch mehr beinhalten sollte als evidenzbasierte Fakten. Es kann aber nicht auf die Fakten verzichtet werden, da sie die Grundlage für den individuellen Abwägungsprozess darstellen. Gerade numerische Angaben können helfen, die Wahrscheinlichkeiten für einen möglichen Nutzen oder Schaden einer medizinischen Maßnahme realistischer einzuschätzen (2, 3). Es wurde auch gezeigt, dass Angst oder Unsicherheit nicht zunehmen, wenn im Rahmen der Aufklärung mehr Wissen vermittelt wird (4).

Im Hinblick auf die angeführten Beipackzettel wurde kürzlich festgestellt, dass auch Angehörige der Gesundheitsberufe die Informationen zu den Nebenwirkungen nicht verstehen (5). Daher würden wir sie nicht als Vergleich heranziehen, wenn es um eine angemessene und verständliche Risikokommunikation geht. Und vermutlich werden auch Aufklärungsbögen vielfach lediglich für eine juristisch gültige Einwilligung genutzt. Ziel sollte aber eine informierte Entscheidung sein. Daher plädieren wir für neue Standards, damit Patienten zum richtigen Zeitpunkt die Information bekommen, die sie für eine individuelle, informierte Entscheidung brauchen.

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0637

Für die Autoren

Julia Lühnen
MIN-Fakultät, Gesundheitswissenschaften, Universität Hamburg
julia.luehnen@uni-hamburg.de

Interessenkonflikt

Die Autorin erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Lühnen J, Mühlhauser I, Steckelberg A: The quality of informed consent forms—a systematic review and critical analysis. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 377–83. VOLLTEXT
2.
Berry D, Raynor T, Knapp P, Bersellini E: Over the counter medicines and the need for immediate action: a further evaluation of European Commission recommended wordings for communicating risk. Patient Educ Couns 2004; 53: 129–34 CrossRef
3.
Man-Son-Hing M, O‘Connor AM, Drake E, Biggs J, Hum V, Laupacis A: The effect of qualitative vs. quantitative presentation of probability estimates on patient decision-making: a randomized trial. Health Expect 2002; 5: 246–55 CrossRef MEDLINE PubMed Central
4.
Kinnersley P, Phillips K, Savage K, Kelly MJ, Farrell E, Morgan B: Interventions to promote informed consent for patients undergoing surgical and other invasive healthcare procedures. Cochrane Database Syst Rev 2013; 7: CD009445.
5.
Mühlbauer V, Mühlhauser I: Understanding adverse drug reactions in package leaflets—an exploratory survey among health care professionals. BMC Health Serv Res 2015; 15: 505 CrossRef MEDLINE PubMed Central
1.Lühnen J, Mühlhauser I, Steckelberg A: The quality of informed consent forms—a systematic review and critical analysis. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 377–83. VOLLTEXT
2.Berry D, Raynor T, Knapp P, Bersellini E: Over the counter medicines and the need for immediate action: a further evaluation of European Commission recommended wordings for communicating risk. Patient Educ Couns 2004; 53: 129–34 CrossRef
3. Man-Son-Hing M, O‘Connor AM, Drake E, Biggs J, Hum V, Laupacis A: The effect of qualitative vs. quantitative presentation of probability estimates on patient decision-making: a randomized trial. Health Expect 2002; 5: 246–55 CrossRef MEDLINE PubMed Central
4. Kinnersley P, Phillips K, Savage K, Kelly MJ, Farrell E, Morgan B: Interventions to promote informed consent for patients undergoing surgical and other invasive healthcare procedures. Cochrane Database Syst Rev 2013; 7: CD009445.
5. Mühlbauer V, Mühlhauser I: Understanding adverse drug reactions in package leaflets—an exploratory survey among health care professionals. BMC Health Serv Res 2015; 15: 505 CrossRef MEDLINE PubMed Central

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Anzeige