ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2018Nutzenbewertung: Ärzteschaft pocht bei Harmonisierung auf Gesundheitsschutz

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Nutzenbewertung: Ärzteschaft pocht bei Harmonisierung auf Gesundheitsschutz

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Die EU-Kommission will eine Nutzenbewertung auf europäischer Ebene. Foto: mik ivan/stock.adobe.com
Die EU-Kommission will eine Nutzenbewertung auf europäischer Ebene. Foto: mik ivan/stock.adobe.com

Die Ärzteschaft hat an die Europäische Kommission appelliert, ökonomische Interessen nicht über den Schutz der Gesundheit zu stellen. „Das jüngste Beispiel für diese Fehlentwicklung ist der Vorschlag für eine europaweit einheitliche klinische Nutzenbewertung“, kritisierte Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), auf dem Sommerempfang „Med.Summer“ von BÄK und Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) in Brüssel. Damit trage die EU-Kommission in erster Linie den Interessen der Hersteller von Arzneimitteln und Medizinprodukten Rechnung, vergesse aber die Patienten. Prinzipiell sei es ein guter Ansatz, die systematische, evidenzbasierte Nutzenbewertung innerhalb der EU zu fördern. Leider überzeuge der gegenwärtige Entwurf aber nicht in allen Punkten. Der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. med. Stephan Hofmeister betonte, die Ärzte begrüßten die Nutzenbewertung (Health Technology Assessment, HTA). Allerdings sollte diese im Rahmen der etablierten freiwilligen Kooperation ablaufen und Abweichungen zulassen, sagte er. Dagegen verteidigte EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis den Verordnungsvorschlag, der eine Verlagerung der klinischen Bewertung für Arzneimittel und bestimmte Medizinprodukte sowie In-vitro-Diagnostika auf die europäische Ebene anstrebt. Diese Vereinheitlichung werde den Mitgliedstaaten helfen, Ressourcen einzusparen und innovative Arzneimittel schneller in die Patientenversorgung zu bringen. Die Europaabgeordnete Gesine Meißner (Liberale) gab zu bedenken, dass gerade kleinere Mitgliedstaaten ohne etablierte HTA-Verfahren von einer gemeinschaftlichen Nutzenbewertung profitieren könnten. bm

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