ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2018Aortokoronarer Bypass: Venengrafts bleiben bei einer doppelten Plättchenhemmung eher offen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Aortokoronarer Bypass: Venengrafts bleiben bei einer doppelten Plättchenhemmung eher offen

Dtsch Arztebl 2018; 115(38): A-1653 / B-1392 / C-1380

Vetter, Christine

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Foto: dermatzke/stock.adobe.com
Foto: dermatzke/stock.adobe.com

Das am weltweit häufigsten genutzte Bypass-Graft für eine aortokoronare Bypassoperation ist nach wie vor die Vena saphena magna. In einer randomisierten multizentrischen Studie wurde nunmehr untersucht, ob eine duale Plättchenaggregationshemmung mit Ticagrelor und Acetylsalicylsäure (ASS) der alleinigen Gabe von Ticagrelor oder ASS hinsichtlich Offenheitsrate der Bypässe überlegen ist. Eingeschlossen in diese Studie wurden 500 Patienten. Das durchschnittliche Alter betrug 63,6 Jahre. Bei 461 eingeschlossenen Patienten waren die Ergebnisse auswertbar.

Die Patienten mit doppelter Plättchenaggregationshemmung wurden 2-mal täglich mit 90 mg Ticagrelor plus 1-mal täglich mit 100 mg ASS behandelt. Patienten mit einfacher Aggregationshemmung bekamen die einzelnen Substanzen in gleicher Dosierung. Als primärer Endpunkt wurde die Offenheit der Bypässe nach einem Jahr definiert, beurteilt mittels Computertomografie oder Koronarangiografie. Das Ergebnis: In der Gruppe mit doppelter Plättchenhemmung betrug die Offenheitsrate der Grafts 88,7 % gegenüber 82,7 % unter Ticagrelor- und 76,5 % unter ASS-Monotherapie.

Der Unterschied von 12,2 % erreichte das definierte Signifikanzniveau und war somit statistisch signifikant (95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [5,2; 19,2]; p < 0,001). Der Unterschied zwischen alleiniger Ticagrelor- und ASS-Behandlung war dagegen nicht signifikant (6,3 % [11,0; 13,7]; p < 0,10). Während des Beobachtungszeitraumes waren 5 schwere Blutungen aufgetreten, 3 davon unter dualer Plättchenhemmung und 2 unter alleiniger Ticagrelor-Therapie.

Fazit: „Die Studie zeigt deutliche Vorteile einer doppelten Plättchenhemmung gegenüber einer Monotherapie bezüglich der Offenheitsrate von venösen Bypassgrafts in einer relativ großen Patientenkohorte“, kommentiert Prof. Dr. med. Justus Strauch von der Universitätsklinik für Herz- Thoraxchirurgie am Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil in Bochum, das Ergebnis.

Klinisch relevant sei in diesem Zusammenhang jedoch nicht nur die Offenheitsrate von Bypass-Grafts, sondern auch das Blutungsrisiko unter doppelter Plättchenhemmung, vor allem in Hinblick auf ein zunehmend älter werdendes Gesamtkollektiv an Patienten. Das komparative Blutungsrisiko sollte nach den Worten von Strauch daher als Endpunkt in zukünftigen Studien deutlicher herausgearbeitet werden, um endgültige Aussagen über die klinische Sicherheit vor allem bei älteren Patienten treffen zu können. Christine Vetter

Zhao Q., Zhu Y., Xu Z. et al.: Effect of ticagrelor plus aspirin, ticagrelor alone, or aspirin alone on saphenous vein graft patency 1 year after coronary artery bypass grafting: a randomized clinical trial. JAMA. 2018; 319: 1677–86.

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