ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2018Primärprävention: Unter Hochbetagten profitieren offenbar nur Typ-2-Diabetiker von Statinen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Primärprävention: Unter Hochbetagten profitieren offenbar nur Typ-2-Diabetiker von Statinen

Dtsch Arztebl 2018; 115(38): A-1655 / B-1394 / C-1382

Meyer, Rüdiger

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: roger ashford/stock.adobe.com
Foto: roger ashford/stock.adobe.com

Hochbetagte Patienten im Alter von 75 bis 84 Jahren mit Typ-2-Diabetes könnten von der Primärprävention mit Statinen profitieren. In der Sekundärprävention nach kardiovaskulären Ereignissen ist der Nutzen der Statine für ältere Patienten bereits belegt. Einen Hinweis, dass Ältere ohne solche Ereignisse in der Vorgeschichte einen Nutzen haben, gibt jetzt die Auswertung der spanischen Datenbank SIDIAP, die seit 2010 Angaben von mehr als 6 Millionen Hausarztpatienten sammelte.

Das Team um Rafel Ramos von der Universität in Girona hat jetzt Daten von 46 864 Hausarztpatienten ausgewertet (> 75 Jahre, keine kardiovaskuläre Erkrankung, 7 502 nach Start der Statintherapie).

75 bis 84 Jahre alte Patienten mit Typ-2-Diabetes entwickelten unter Statinen 24 % seltener eine atherosklerotische Erkrankung als jene in der gleichen Altersgruppe ohne Statine (Follow-up 5,6 Jahre, Hazard Ratio 0,76; 95-%-Konfidenzintervall 0,65–0,89). Die Mortalität war um 16 % niedriger (HR 0,84; KI 0,75–0,94). Für die anderen 3 Gruppen – Typ-2-Diabetiker > 85 Jahre, Senioren ohne Diabetes in den beiden Alterskohorten von 75 bis 84 beziehungsweise > 85 Jahre – war kein signifikanter Nutzen erkennbar. Die Therapie wurde gut vertragen. Es gab keine Hinweise auf vermehrte Myopathien, Leberschäden oder einen Anstieg des Typ-2-Diabetes, den Hauptrisiken der Statine.

Allerdings hatten die Patienten, die mit Statinen behandelt wurden, höhere Cholesterinwerte und nahmen häufiger ASS, NSAID, Antihypertensiva und Antidiabetika ein. Dies ließ sich zwar statistisch korrigieren, unterschiedliche Lebensstile wurden aber nicht erfasst. Daher ist nicht auszuschließen, dass die geringere Mortalität andere Gründe als die Statingabe haben könnte.

Fazit: Philipp von Hundelshausen vom Institut für Prophylaxe und Epidemiologie der Kreislaufkrankheiten am Klinikum der Universität München hält die Ergebnisse für fraglich, weil trotz der großen Gesamtkohorte die interessierenden Gruppen vergleichsweise klein waren. Andere Experten rügten methodische Mängel, etwa fehlende Angaben zur Compliance oder zum Ausgangsrisiko der Patienten. Einig sind sich alle, dass das Thema wegen der zunehmenden Zahl von älteren Menschen wichtig ist. Mangels Wirksamkeitsbelegen hält die European Society of Cardiology eine Therapie nur bis zum Alter von 65 Jahren für sinnvoll. Die American Heart Association setzt die Altersgrenze auf 75 Jahre fest, während das britische National Institute for Health and Care Excellence Statine in der Primärprävention bis zum Alter von 84 Jahren empfiehlt. Rüdiger Meyer

Ramos R, Comas-Cufí M, Martí-Lluch R, et al.: 17. Juli 2018 BMJ https://www.bmj.com/content/362/bmj.k3359.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.