ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2018Ambulanz für Arme: Reich und Arm
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Mit großer Überraschung und auch Respekt habe ich nach langjähriger Tätigkeit in den Vereinigten Staaten von Amerika und nun ärztlicher Tätigkeit in Deutschland die Mission und Vision von Prof. Gerhard Trabert an der Uniklinik Mainz gelesen. Meine eigene Einstellung war immer, alle hilfesuchenden Menschen ärztlich zu versorgen. Dies, dachte ich, sei bisher auch in Deutschland so geschehen. Offensichtlich hat sich in meiner Abwesenheit von 2006 bis 2017 doch einiges geändert, insbesondere sicher nach 2015, wenn es um medizinische Regelversorgung und Versicherungsschutz geht. Dies scheinen mir Anzeichen im deutschen Gesundheitssystem dafür zu sein, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderklafft. Mit sinkenden Investitionen in die Unikliniken, die einen allgemeinen Versorgungsauftrag der Regierung haben, ist innovatives Denken gefordert, wie gezeigt und gelebt vom Vorsitzenden des Vereins Armut und Gesundheit an der Uniklinik Mainz. An amerikanischen Unikliniken, die nicht „private“, sondern „public“ sind, ist dieses Konzept schon seit langer Zeit umgesetzt. So gibt es an der Uniklinik Mississippi in Jackson sogenannte Teaching Clinics (Lehrkliniken), die von Medizinstudenten und wissenschaftlichen Assistenten unter der Supervision eines Professors betreut werden (http://www.jacksonfreeclinic.org/) ... und die Jackson Medical Mall (https://www.umc.edu/location.aspx?id=67).

Dabei schärft sich bei allen Beteiligten die Blickdiagnose und man lernt Aspekte, die nicht in den typischen Lehrbüchern auftauchen, da die Krankheitsbilder oft sehr weit fortgeschritten sind. Zudem verbessert man die sog. Cultural Competence und allgemeine Kommunikation. ... Eine erfolgreiche Patientenbetreuung erfordert Empathie und den Willen zuzuhören („Sprechstunde“). Dies allein kann eine positive Katharsis hervorrufen. Pharmafirmen unterstützen Patienten an den Free Clinics mit der Medikamentenversorgung. Dafür zahlen Patienten mit „guter“ (Privat-)Versicherung sehr hohe Copays auf Medikamente oder Versicherungsprämien. Interessanterweise denken viele amerikanische Arztkollegen immer noch, dass Deutschland ein „sozialistisches Gesundheitssystem“ hat.

Prof. Dr. med. habil. Christian A. Koch, 26135 Oldenburg

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