ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2018Rauchentwöhnung: Kardiovaskuläres Risiko wird durch unterstützende Pharmakotherapie nicht erhöht

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Rauchentwöhnung: Kardiovaskuläres Risiko wird durch unterstützende Pharmakotherapie nicht erhöht

Dtsch Arztebl 2018; 115(38): A-1653 / B-1392 / C-1380

Gerste, Ronald D.

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Foto: biker3/stock.adobe.com
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Zigaretten-, Zigarren- oder Pfeiferauchen sind ein wichtiger Risikofaktor für einen Myokardinfarkt, einen Schlaganfall und andere kardiovaskuläre Ereignisse. Der Sucht zu entsagen, ist wohl der wichtigste Schritt, den ein Raucher für seine Gesundheit tun kann. Bei der Verschreibung von Pharmaka zur Rauchentwöhnung sind manche Ärzte aufgrund von Bedenken wegen möglicher kardiovaskulärer Nebenwirkungen zurückhaltend. So kann zum Beispiel Bupropion den Blutdruck ansteigen lassen. Studien zu einem anderen dieser Wirkstoffe, Vareniclin, kamen zu keinem einheitlichen Ergebnis.

Die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hatte die Hersteller dieser beiden Arzneimittel dazu verpflichtet, eine randomisierte Studie über mögliche neuropsychiatrische Nebenwirkungen durchzuführen – als deren Folge die FDA ihre Warnungen vor diesen Pharmaka im Jahr 2016 deutlich abschwächte.

In einer Verlängerung dieses Projektes konnte eine internationale Autorengruppe jetzt die im Rahmen jener EAGLES (Evaluating Adverse Events in a Global Smoking Cessation Study) genannten Studie gesammelten Daten auswerten, um möglicherweise auf die Rauchentwöhnung zurückzuführende schwere kardiovaskuläre Komplikationen zu evaluieren. Ein solches Risiko fand sich nicht.

Die ursprüngliche Studie umfasste 8 058 zu 44,7 % männliche Raucher, die bislang 10 und mehr Zigaretten pro Tag geraucht hatten, die Nachfolgestudie rekrutierte 4 595 Probanden. Zu je einem Viertel hatten die Teilnehmer über 12 Wochen entweder Vareniclin oder Bupropion erhalten, einen Nikotinpatch getragen oder ein Placebo bekommen.

Insgesamt war die Rate der kardiovaskulären Ereignisse sowohl während der Therapiedauer, als auch während des sich anschließenden 52 Wochen langen Follow-ups sehr niedrig und zeigte keine signifikanten Unterschiede zwischen den 4 Gruppen.

So gab es zum Beispiel 5 kardiovaskuläre Todesfälle: 2 in der Placebogruppe, 2 unter Bupropion und 1 unter Vareniclin. Außerdem traten nicht tödliche Herzinfarkte auf, und zwar 2 unter der Therapie mit Vareniclin, 4 in der Bupropiongruppe, 3 in der Gruppe, die Nikotinpatchs anwendeten, und 5 im Placebo-Arm.

Fazit: „Obwohl in den nun vorliegenden Studien die Rate kardiovaskulärer Komplikationen durch Rauchentwöhnungsmittel niedrig war, sollte das primäre Ziel darin bestehen, Patienten über die gefährlichen Probleme des Rauchens wie Myokardinfarkt und Schlaganfall aufzuklären“, erläutert Prof. Dr. med. Hans-Joachim Trappe, Direktor der Medizinischen Klinik II (Kardiologie und Angiologie) am Marien Hospital Herne/Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum.

„Jeder Mensch, der nicht mit dem Rauchen beginnt, tut sich Gutes und vermeidet durch Nikotin verursachte kardiovaskuläre Komplikationen. Für Raucher sind zugelassene Rauchentwöhnungsmittel akzeptierte Alternativen, um ohne zusätzliche kardiovaskuläre Komplikationen von der ‚Sucht Rauchen‘ loszukommen“.

Dr. med. Ronald D. Gerste

Benowitz NL, Pipe A, West R et al.: Cardiovascular safety of varenicline, bupropion, and nicotine patch in smokers. JAMA Intern Med. 2018;178:622–31.

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Avatar #731292
cis2000
am Montag, 1. Oktober 2018, 23:34

Zigaretten-, Zigarren- oder Pfeiferauchen sind ein wichtiger Risikofaktor für einen Myokardinfarkt

Viele Menschen bekommen einen Infarkt bei dem Lesen solcher Nachrichten!
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