ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2018Arbeitsmarkt Schweiz: Auslandsärzte zieht es in Kliniken

ÄRZTESTELLEN

Arbeitsmarkt Schweiz: Auslandsärzte zieht es in Kliniken

Dtsch Arztebl 2018; 115(38): [54]

Spielberg, Petra

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Schweiz ist und bleibt für deutsche Ärztinnen und Ärzte ein attraktiver Arbeitsmarkt. Insbesondere der stationäre Sektor verspricht gute Verdienstmöglichkeiten und flache Hierarchien. Bürokratie und Leistungsdruck machen aber auch vor dem Schweizer Gesundheitswesen nicht halt.

Foto: Kagenmi/stock.adobe.com
Foto: Kagenmi/stock.adobe.com

Anfang des Jahres trat in der Schweiz ein revidiertes Bundesgesetz über die Medizinalberufe (MedBG) in Kraft, das die Frage der berufsspezifischen Qualifikationserfordernisse strenger regelt. Die neuen Vorschriften betreffen auch ausländische Ärzte, die bereits in der Alpenrepublik arbeiten beziehungsweise dort tätig werden wollen. Denn mit dem Gesetz wurde nicht nur das Niveau der Ausbildung angehoben. Auch die Anforderungen an die Sprachkenntnisse der Ärztinnen und Ärzte, die sogenannte Sprachprüfung Arzt Schweiz, werden seither strenger ausgelegt. Ziel der Überarbeitung des MedBG ist es, die Qualität der ärztlichen Leistungen zu verbessern.

Deutsche Ärzte können hier als Muttersprachler im Vergleich zu anderen Bewerbern einen deutlichen Vorteil für sich verbuchen. In der stationären Versorgung macht sich dies bereits seit Jahren bemerkbar, da die Schweizer Bundesbürger gerne in einer ihrer Landessprachen behandelt werden.

Das Interesse an einer Ausübung der ärztlichen Tätigkeit in der Schweiz hält seitens der Ärztinnen und Ärzte aus Deutschland auch unvermindert an. Nach einer Statistik des Dachverbandes der Schweizerischen Ärzteorganisationen FMH (Foederatio Medicorum Helveticorum) stammte im Jahr 2016 insgesamt einer von drei berufstätigen Ärzten in der Schweiz – 32,9 Prozent der gesamten Ärzteschaft (beziehungsweise 11 900 Ärztinnen und Ärzte) – aus dem Ausland beziehungsweise war Inhaber eines ausländischen Arztdiploms. Damit ist der Anteil ausländischer Ärztinnen und Ärzte im Vergleich zum Vorjahr erneut um 1,4 Prozent angestiegen. Der Großteil von ihnen stammt weiterhin aus Deutschland (18,7 Prozent), gefolgt von Italien (2,8 Prozent), Frankreich (2,1 Prozent) und Österreich (2,0 Prozent).

Anzeige

Die meisten ausländischen Ärzte arbeiten in stationären Einrichtungen. Hier betrug ihr Anteil 2016 38,4 Prozent. In Niederlassungen machten Ärzte aus dem Ausland einen Anteil von 27,6 Prozent aus.

Der hohe Ausländeranteil bei den berufstätigen Ärztinnen und Ärzten und solchen, die einen Facharzttitel erwerben (44,2 Prozent), verdeutlicht, dass die Zuwanderung weiterhin ein bedeutsamer Faktor für die Sicherstellung der medizinischen Versorgung in der Schweiz ist.

Der ärztliche Berufsverband FMH steht den Zuwanderungswilligen Ärztinnen und Ärzte positiv gegenüber. „Zur Gewährleistung der Gesundheitsversorgung werden in der Schweiz heute noch zu wenige medizinische Nachwuchskräfte ausgebildet. Daher sind wir auf Ärztinnen und Ärzte mit einem ausländischen Diplom angewiesen, die eine Arzttätigkeit in der Schweiz aufnehmen“, so die FMH in einer Reaktion auf eine Bundesratsinitiative zur strengeren ärztlichen Zulassungsregelung.

Ärztinnen und Ärzte, die es zu einer Tätigkeit im stationären Sektor in der Schweiz zieht, sollten indes bedenken, dass trotz guter Verdienstaussichten und flacher Hierarchien die Anforderungen nicht zwingend niedriger sind als in Deutschland.

So ergab eine Studie des Markt- und Sozialforschungsinstituts gfs.bern im Auftrag der FMH, dass trotz abnehmender Zahl der Überstunden die Arbeitsbelastung in den Spitälern noch immer sehr hoch ist. In einer normalen Woche arbeitet eine Ärztin oder ein Arzt mit einer Vollzeitstelle knapp 56 Stunden. Bei Vollzeitstellen werden demnach durchschnittlich 7,4 Überstunden pro Woche geleistet.

Darüber hinaus verbringen auch Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz einen Großteil ihrer Arbeitszeit, nämlich rund zwei Drittel, mit Tätigkeiten wie Dokumentation, Visiten, dem Schreiben von Arztberichten, organisatorischen Arbeiten oder der eigenen Fortbildung. Nur etwa ein Drittel ihres Tages steht ihnen für rein medizinische, patientennahe Tätigkeiten zur Verfügung.

Hinzu kommt eine zunehmende Leistungsorientierung, die sich im klinischen Alltag unterschiedlich bemerkbar macht, beispielsweise in Form eines zunehmenden Anteils variabler, leistungsabhängiger Lohnkomponenten. In den höheren Hierarchien des medizinischen Betriebs sind solche Entschädigungssysteme in der Schweiz längst Usus.

Die Qualität der erbrachten Dienstleistungen am Patienten leidet aus Sicht der Ärzteschaft aber nicht direkt unter dieser Entwicklung, so die Studie. Zudem sind trotz des beträchtlichen Leistungs- und Zeitdrucks in der Schweiz tätige Ärztinnen und Ärzte mit ihrem Beruf insgesamt sehr zufrieden. Petra Spielberg

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Ärztestellen