ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2018Berufsethos: Was einen guten Arzt ausmacht

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Berufsethos: Was einen guten Arzt ausmacht

Dtsch Arztebl 2018; 115(38): A-1660 / B-1396 / C-1383

Kaemmerer, Harald

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Das Buch „Ärztliche Kunst“ von Prof. Dr. Thomas Meinertz sollte Pflichtlektüre sein für jeden Medizinstudenten, Arzt, ärztlichen Mitarbeiter, kritischen Patienten und dessen Angehörige!

Den Geist des Buches erkennt man an der Mahnung an Arzt und Patient: „Wenn sich ein Patient dem Arzt anvertraut, überträgt er ihm – zumindest potenziell – die Verantwortung für sein Leben. Ohne es auszusprechen, legt er sein Schicksal in die Hand des Arztes. Etwas Vergleichbares gibt es in keinem anderen Beruf“.

Der Autor, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung und erfahrener Internist und Kardiologe, definiert den Arztberuf als eine Kunstfertigkeit auf wissenschaftlicher Grundlage und betont, dass die Erziehung zum Arzt auch eine Schule des Charakters ist.

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Ausgangspunkt der Betrachtung sind viele unzufriedene Patienten, die sich nicht mehr „kunstvoll“ behandelt fühlen. Der Autor analysiert klar die Ursachen der Patientenunzufriedenheit. Um diesen Zustand zu verändern, zeichnet er das Idealbild des unbestechlichen und zuverlässigen Arztes, der primär das Patientenwohl und nicht eigene materielle Vorteile im Blick hat. Der Arzt sollte sich mit psychologischem Feingefühl wieder mehr auf den Patienten konzentrieren, ihn mit Würde führen und ihn spüren lassen, dass er und seine Krankheit im Mittelpunkt stehen.

Die einzelnen Kapitel erklären, was einen guten Arzt ausmacht, das richtige Verhalten des Arztes im Umgang mit seinen Patienten, den Umgang mit Grenzsituationen sowie das Erlernen der ärztlichen Kunst. Unterkapitel werten, dem Tenor des Buches entsprechend, wie man für Patienten das Beste im Auge behält, und gehen ein auf die körperliche Untersuchung, den Weg vom Zuhören zur Hypothesenbildung, das Überangebot therapeutischer Maßnahmen, alternative Behandlungsverfahren und den entscheidenden Weg, den richtigen Arzt zu finden. Dabei wird weniger auf technische Details Wert gelegt als auf die Vermittlung ethisch-moralischer Prinzipien des guten ärztlichen Urteilens und Handelns.

Ob die ärztliche Kunst erlernbar ist, wird prinzipiell bejaht. Hilfreich wäre im Medizinstudium die systematische Anleitung durch einen erfahrenen Arzt, die leider heutzutage vielfach fehlt. Berücksichtigt man diese Empfehlungen, so sollte vermutlich die Kunst, mit unterschiedlichen Menschen fürsorglich umzugehen, leichter zu erlernen sein.

Bereichert wird das Buch durch Beschreibung von Erkrankungen, mit denen sich der Autor in seiner eigenen ärztlichen Tätigkeit konfrontiert sah. Sie lassen klar die Empathie des Verfassers bei der Betreuung seiner ihm anvertrauten Patienten erkennen. Harald Kaemmerer

Thomas Meinertz: Ärztliche Kunst – Was einen guten Arzt ausmacht. Schattauer Verlag, Stuttgart 2018, Taschenbuch, 183 Seiten, 19,99 Euro

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