ArchivDeutsches Ärzteblatt38/2018Dilatative Kardiomyopathie: Kardiologen in den USA warnen vor Chagas-Krankheit

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Dilatative Kardiomyopathie: Kardiologen in den USA warnen vor Chagas-Krankheit

Dtsch Arztebl 2018; 115(38): A-1655 / B-1394 / C-1382

Meyer, Rüdiger

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Foto: Dr_Microbe/iStockphoto
Foto: Dr_Microbe/iStockphoto

Die Migrationsströme der letzten Jahrzehnte haben die Chagas-Krankheit über Lateinamerika hinaus verbreitet, warnt die American Heart Association (1). Von den vermutlich 6 Millionen Infizierten sollen allein 300 000 in den USA leben. Die zweithöchste Zahl wird mit 42 000 in Spanien vermutet, eine Folge der engen Beziehungen zu Südamerika.

Die Chagas-Krankheit wird von dem einzelligen Parasiten Trypanosoma cruzi hervorgerufen. Er gelangt nach einem Biss von Raubwanzen (Triatominae) über deren Kot in die Haut. Die Infektion ist auch über die Augenschleimhaut oder über kontaminierte Speisen möglich. Zunächst vergrößern sich Lymphknoten, Leber und Milz diffus, was aber selten diagnostiziert wird. Vereinzelt überleben Parasiten in Darm und Herzmuskel. Infolge der chronischen Infektion kann es zu einem Megakolon kommen, fatal sind jedoch nach etwa 5 bis 15 Jahren die Herzmuskelschäden, oft in Form einer dilatativen Kardiomyopathie.

Außer Bolivien (Seroprävalenz von 21,1 % bei Migranten aus diesem Land) zählen noch Argentinien, Brasilien, El Salvador, Mexiko und Paraguay zu den Endemieregionen. In Spanien werden daher Blutspender von dort seit 2005 auf Antikörper gegen T. cruzi getestet. Da die Parasiten von der Mutter auf das Kind übertragen werden, kann auch die zweite Generation erkranken. Die Krankheit wurde zwar schon bei Migranten in Großbritannien, Italien, Frankreich und der Schweiz gefunden, hierzulande bisher jedoch nicht. Da die Chagas-Kardiomyopathie nur schwer von anderen Herzkrankheiten zu unterscheiden ist, wird eine hohe Dunkelziffer vermutet. Außer der Myopathie treten auch Rhythmusstörungen, Aneurysmen und Thrombembolien auf.

Fazit: Die Autoren raten ihren nordamerikanischen und europäischen Kollegen, an eine Chagas-Kardiomyopathie zu denken, wenn ihre Patienten in Endemiegebieten geboren wurden, dort länger lebten oder wenn deren Mutter von dort stammt. Auch (Abenteuer-)Touristen, die sich fern von Städten längere Zeit in den endemischen Zonen aufhalten, können sich infizieren. Ferner gehören Menschen aus bestimmten ländlichen Zonen in Florida, Kalifornien und Texas zu den Risikopersonen. Rüdiger Meyer

Maria Carmo Pereira Nunes MCP Beaton, Acquatella H, et al.: Circulation 20. Aug. 2018; https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/CIR.0000000000000599.

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