ArchivMedizin studieren2/2018Stress im Studium: Stärke zeigen

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Stress im Studium: Stärke zeigen

Medizin studieren, WS 2018/19: 15

Gillmeister, Sebastian; Ulm, Uni

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Foto: pathdoc/stock.adobe.com
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Viele Medizinstudierende werden von Selbstzweifeln geplagt. Doch noch wenige geben dies auch zu.

Ach, in der Schule ging das alles noch viel leichter. Seitdem ich mein Studium angefangen habe, habe ich nur noch schlechte Noten,“ klagt Lina, 18 Jahre, Medizinstudentin im 1. Semester. „Das Studium war immer mein größter Traum, ich wollte nichts anderes machen, aber nun merke ich, dass ich mehrfach Klausuren wiederholen muss und es oft erst im Zweit- oder Drittversuch schaffe. Das macht mich fertig“, sagt Ole, 21 Jahre, 3. Semester Zahnmedizin.

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So oder so ähnlich geht es vielen Medizinstudierenden. Doch die meisten wollen es nicht zugeben. Es ist zu peinlich. Vielmehr wird es „totgeschwiegen“, weil man Stärke zeigen muss. Vielen jungen Menschen ist vorher gar nicht bewusst, wie schwer ein Studium werden kann, obwohl sie vielleicht vorher ein Einserschüler oder eine Einserschülerin waren. Doch ein Studium ist nicht immer leicht, zumindest im Verhältnis zu den vorherigen Tätigkeiten in der Schule.

Wenn man die Studierenden fragt, was sie während ihrer Studienzeit außerhalb der studienspezifischen Aktivitäten bedrückt, beschreiben viele subjektive Auseinandersetzungen im Sinne eines gewissen Selbstzweifels: Wie finden einen wohl die anderen? Stehen alle so daneben, dass sie nicht – wie ich – die eigene Mitte finden? Hinzu kommt eine Frustration darüber, dass alle wohl um eine gewisse Sorglosigkeit eifern, sodass sie kein offenes Ohr für die alltäglichen Sorgen haben. Oft besteht zudem ein gewisses Unbehagen, sich weder als Single noch in einer Beziehung so richtig wohlzufühlen. Manche grämen sich auch darüber, dass sie jeden Cent dreimal umdrehen müssen, um den Eltern nicht auf der Tasche zu liegen. Viele müssen neben dem Studium für ihren Unterhalt selbst sorgen und zusätzlichen jobben. Hinzu kommt: Es fehlt Zeit. Zeit, die man eigentlich damit verbringen wollte, das Gehörte zu lernen. Dies führt zu Prüfungsstress, ergänzt teilweise durch Druck von den Eltern.

Die Studierenden gehen verschieden mit diesen Krisensituationen um. Während Studentinnen vor allem Essstörungen entwickeln (beim Lernen ist eine verschlungene Tafel Schokolade keine Seltenheit – nur für den einen Serotoninkick!), greifen Studenten gerne zu Alkohol oder anderen Drogen, um mit dem Stress einigermaßen gut klarzukommen. Dies hat eine Studie der Techniker Krankenkasse herausgefunden. Vor allem ältere Medizinstudierende – insbesondere solche mit Kindern – hatten zudem eine niedrigere Stressschwelle und neigten zu „Entgleisungen“.

Prüfungsstress führt zu Depressionen. Studierende der Medizin leiden mit am häufigsten darunter, wie der kürzlich erst vorgestellte Krankenkassenbericht der Barmer gezeigt hat. Mangelnde Freizeit, Beziehungsprobleme, Prüfungsstress, Wohnungsnot, teils prekäre Finanzsituationen oder Stress mit dem Vermieter sind nicht zu unterschätzen. Alle genannten Probleme, mit denen Studierende zu kämpfen haben, können Depressionen auslösen. Erschreckend ist: Es betrifft fast jeden Vierten.

Doch trotz aller Hürden und Stolperfallen schaffen es viele, ihr Studium zu beenden und werden erfolgreiche Ärzte und Ärztinnen. Später schauen sie zudem meist mit einer guten Erinnerung zurück auf ihre Studienzeit, die sie durchaus genossen haben. Also: Halten wir daran fest und lassen uns nicht unterkriegen! Hilfe bei Krisen gibt es bei den psychologischen Studienberatungsstellen, die an allen Universitäten zu finden sind.

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