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Medizinstudium: „Feedback statt Noten“

Medizin studieren, WS 2018/19: 29

Hillienhof, Arne

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Foto: privat
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Prüfungen begleiten Medizinstudierende vom Chemiekurs in der Vorklinik bis zum Dritten Staatsexamen. Die bvmd fordert jetzt Reformen. Luca Salhöfer, Bundeskoordinator für medizinische Ausbildung bei der bvmd, erläutert die Details.

Wollen Sie die Prüfungen im Medizinstudium abschaffen?

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Prüfungen abschaffen? Ganz und gar nicht! Prüfungen sind ein wichtiger Teil der akademischen Ausbildung. Sie sollen ja den Lernfortschritt der Studierenden überprüfen und ihnen gleichzeitig Rückmeldung über den Lernerfolg sowie Verbesserungsmöglichkeiten geben. Das wichtige Stichwort in diesem Zusammenhang lautet „Feedback“.

Bekommen Studierende das nicht jetzt auch schon?

Das Feedback ist oft zu knapp oder auch gar nicht vorhanden. Aus unserer Sicht wird das Potenzial von Prüfungen viel zu selten wirklich ausgeschöpft. Noten bieten übrigens kein gutes Feedback, dafür haben sie ein viel zu grobes Raster und gehen nicht auf Einzelheiten ein.

Was müsste sich denn ändern?

Entscheidend ist der Zusammenhang von Lehrformat beziehungsweise Lernziel und der Prüfungsform. Wenn ich zum Beispiel in einem Kurs die Reanimation lerne und in der Prüfung nicht meine gelernte Reanimationskompetenz darstellen kann, sondern Multiple-Choice-Fragen zur Notfallmedizin Kreuzen muss, dann stimmt der Zusammenhang nicht. Prüfungsform und Lernziel müssen zusammenpassen!

Dann wären aber zum Teil ganz andere Prüfungsformen nötig . . .

Stimmt. Und die gibt es durchaus. Die bvmd fordert daher die Fakultäten dazu auf, ihre Prüfungsformen für alle Lehrveranstaltungen zu reevaluieren und bei Bedarf an das Format und die Ziele der Lehrveranstaltung anzupassen. Neue Prüfungsformen sind zum Beispiel arbeitsplatzbasierte sogenannte 360-Grad-Assessments wie Direct Observation of Procedural Skills (DOPS) und andere. Die Fakultäten sollten mutig neue, bereits validierte Prüfungsformate implementieren und dabei – falls nötig – auch Prüfungskonzepte mit langer Tradition durch geeignetere Alternativen ersetzen.

Es geht also nicht darum, auf der Ebene der Prüfer mehr Engagement und die Implementierung neuer Prüfungsformate einzuführen?

Nein, eine neue Prüfungskultur kann nicht nur vom mehr oder minder zufälligen Engagement einzelner Institute und Prüfer abhängen, sondern ist eine politische Entscheidung, die auf höherer Ebene durchgesetzt werden muss, zum Beispiel auf der Ebene der Fakultäten. Es wäre auch viel zu aufwendig, wenn jeder Prüfer sozusagen im Alleingang geeignete Prüfungsformate auswählen und implementieren sollte. Die prüfenden Ärzte sollten auf vielmehr auf fertige Formate zurückgreifen können und nur die Inhalte entsprechend beisteuern.

Aber auch wenn die Prüfungsformate auf Fakultätsebene vorliegen, müssen die Prüfer sie beherrschen, oder?

Das ist richtig. „Prüferqualifikation“ lautet das Stichwort. Eine Schulung aller potenziellen Prüfer erhöht die Fairness und sichert die Qualität der einzelnen Prüfung sowie das Niveau der Prüfungen insgesamt. Die bvmd fordert daher, dass zur Erlangung der Lehrbefugnis im Rahmen der Habilitation nicht nur die Fähigkeit zur eigenständigen Gestaltung einer Lehrveranstaltung nachgewiesen, sondern auch die Qualifikation zur Konzeption und Abnahme von mündlich-praktischen wie schriftlich-theoretischen Prüfungen erworben werden muss. Die Fakultäten sollten entsprechende Schulungen anbieten.

Klingt nach viel Aufwand . . .

Für die Schulungen? Nein, die gehen recht schnell. Aber für die Abnahme der Prüfungen nach den neuen Formaten und ein angemessenes Feedback für die Studierenden, da entsteht Aufwand. Letzlich ist dies Aufwand für die medizinische Lehre. Dieser Lehraufwand, das fordert die bvmd auch, muss den Fakultäten angemessen finanziert werden, damit sie das Personal dafür bereitstellen können.

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