ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2018Behandlung der gastroösophagealen Refluxkrankheit: Alternativen und Ergänzungen

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Behandlung der gastroösophagealen Refluxkrankheit: Alternativen und Ergänzungen

Dtsch Arztebl 2018; 115(39): A-1710

Schenk, Maren

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Therapie der ersten Wahl bei gastroösophagealer Refluxkrankheit (GERD) ist ein Protonenpumpeninhibitor (PPI). Doch wenn ein Patient nicht oder nur unzureichend auf diese Therapie anspricht, gibt es auch andere Möglichkeiten der Behandlung.

Priv.-Doz. Dr. med. Ulrike von Arnim, Klinik für Gastroenterologie am Universitätsklinikum Magdeburg, berichtete in Mannheim von einer 42-jährigen Patientin, die zunehmend unter Sodbrennen, saurem Aufstoßen und Regurgitationen litt. Eine 4-wöchige Therapie mit einem Protonenpumpeninhibitor (PPI) besserte zwar die Refluxsymptome, aber sie litt weiterhin unter Sodbrennen, vor allem postprandial. Endoskopisch zeigten sich persistierende erosive Veränderungen in der Speiseröhre. „Ist Säurehemmung wirklich der Stein des Weisen, wenn unter PPI Symptome persistieren?“, fragte von Arnim. Sie zeigte die Ergebnisse einer Beobachtungsstudie in Hausarztpraxen (LOst-PAtient-I-Studie): 46 % der Patienten hatten an mindestens 2 Tagen/Woche Symptome trotz PPI-Einnahme, 20 % der Patienten waren sehr unzufrieden mit der Therapie. Von Arnim behandelte die Patientin weiterhin mit PPI in Standarddosierung und gab als Add-on-Therapie Alginat postprandial. „Alginat eliminiert die postprandiale Acid Pocket.“ Damit besserten sich die Refluxsymptome, und es wurde eine größere Patientenzufriedenheit erreicht.

Alginat gegen Acid Pocket

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Kurz nach der Nahrungsaufnahme bildet sich im Magen unterhalb des Ösophagussphinkters auf dem Nahrungsbrei eine Säureansammlung, die sogenannte Acid Pocket. Bei einer Refluxerkrankung kann der Inhalt dieser Tasche in die Speiseröhre gelangen und postprandiales Sodbrennen auslösen. Alginat bildet im sauren Milieu des Magens ein stabiles Alginsäure-Gel, das sich innerhalb weniger Minuten auf die Oberfläche der Acid Pocket legt und als pH-neutraler Schutz einen Reflux mechanisch verhindert. Den nötigen Auftrieb erhält das Gel durch Einschluss von CO2 aus dem im Präparat enthaltenen Hydrogencarbonat, das gleichzeitig einen Teil der Magensäure neutralisiert.

Von Arnim stellte einen neuen Algorithmus bei PPI-refraktären Refluxbeschwerden vor (1). Führen Allgemeinmaßnahmen – wie Gewichtskontrolle und verbesserte Schlafhygiene – sowie eine optimierte Einnahme von PPI (z. B. eine halbe Stunde vor dem Essen) nicht zur zufriedenstellenden Symptomkontrolle, solle die Therapie optimiert werden: mit einem anderen PPI, doppelter PPI-Dosis oder PPI plus Alginat. „Versagt auch diese Therapie, ist der Patient an ein Refluxzentrum für eine spezialisierte Funktionsdiagnostik zu überweisen“, so von Arnim.

Sinnvolle Allgemeinmaßnahmen bei GERD erläuterte von Arnim an einem anderen Fallbeispiel: ein 54-jähriger Lkw-Fahrer und Raucher, der seit 6 Jahren an retrosternalen aufsteigenden Schmerzen mit Brennen im Hals leidet und inzwischen nachts von unproduktiven, trockenen Hustenattacken erwacht. Diagnostiziert wurde eine Reflux-ösophagitis (Stadium LA-B) und eine Hiatushernie. Als gesichert beziehungsweise sinnvoll gelten: Gewichtsreduktion, Meiden großer und später Mahlzeiten, Oberkörperhochlagerung, Rauchstopp, Reduktion des Alkoholkonsums und Zwerchfelltraining.

Nach 4 Wochen PPI-Therapie waren die Refluxbeschwerden bei dem Patienten zwar tagsüber kontrolliert, aber er erwachte immer noch nachts durch Hustenattacken und Sodbrennen. Von Arnim empfahl das Schlafen mit erhöhtem Oberkörper mit einem speziellen Kissen, außerdem eine Add-on-Therapie mit Alginat, da die Gelbarriere auf der Acid Pocket auch im Liegen sinnvoll sei und nächtliche Symptome reduziere.

Schwangere und Sportler

Prof. Dr. med. Stephan Miehlke, Magen-Darm-Zentrum Eppendorf, zeigte den Fall einer 29-jährigen gesunden Schwangeren, die im 2. Trimenon zunehmend unter Sodbrennen litt, auch nachts. Die DGVS-Leitlinie empfehle bei leichter Symptomatik ein Antazidum, bei schwerer Symptomatik einen H2-Rezeptorantagonisten oder einen PPI (2). „Schwangere mit Sodbrennen profitieren aber auch von einer Alginat-Therapie bei Bedarf“, berichtete Miehlke von seinen Erfahrungen.

Auch sportliche Aktivität führe häufig zu Refluxsymptomen, sagte Miehlke. Mehrere Faktoren können dazu führen: zum Beispiel eine verringerte Ösophagusperistaltik, eine passagere Hiatushernie oder erhöhter intraabdomineller Druck. Einem 24-jährigen gesunden Mann, der beim Triathlon regelmäßig Sodbrennen bekam, empfahl er Alginat bei Bedarf, „wegen des Wirkprinzips und des schnellen Wirkeintritts“. Maren Schenk

Quelle: Symposium „Umdenken im Refluxmanagement: Neue Strategien, wenn PPI nicht (mehr) adäquat“, im Rahmen des 124. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, Mannheim, 15.4.2018. Veranstalter: Reckitt Benckiser.

1.
Labenz J, Koop H: DMW 2017; 142: 356–66 CrossRef MEDLINE
2.
DGVS-Leitlinie: Koop H, et al.: Z Gastroenterol 2014; 52: 1299–346. https://www.dgvs.de/wp-content/uploads/2016/11/DGVS_Empfehlung_fuer_Refluxkrankheit.pdf.
1.Labenz J, Koop H: DMW 2017; 142: 356–66 CrossRef MEDLINE
2.DGVS-Leitlinie: Koop H, et al.: Z Gastroenterol 2014; 52: 1299–346. https://www.dgvs.de/wp-content/uploads/2016/11/DGVS_Empfehlung_fuer_Refluxkrankheit.pdf.

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