ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2018Lipidsenker: Zurückhaltender Einsatz
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Bei der Kommentierung der Metaanalyse von Navarese et al. (2018) unter dem Titel „Bei hohen LDL-Basiswerten senken Lipidsenker die Sterblichkeit am stärksten“ zitiert Frau Dr. Heinzl aus dem begleitenden Editorial die Aussage als „ziemlich provokativ“. Wenn man die Studienliteratur über fast 25 Jahre verfolgt hat, ist das Ergebnis der Metaanalyse weder überraschend noch provokativ!

Bei LDL-C-Ausgangswerten < 100 mg/dl wird auch durch eine intensive lipidsenkende Therapie im Vergleich zu Placebo die Sterblichkeit nicht gesenkt. Bei Ausgangswerten zwischen 100 und 159 mg/dl beträgt die absolute Risikoreduktion (ARR) der Sterblichkeit durch eine lipidsenkende Therapie im Vergleich zu Placebo zwischen 0,7 und 0,8 %. Das entspricht NNT-(number needed to treat-)Werten von 143 bzw. 125. Das ist praktisch bedeutungslos!

Bei Ausgangswerten > 159 mg/dl wird durch Statine im Vergleich zu Placebo die Sterblichkeit um 1,9 % (Placebo 6,82 %, Statine 4,92 %) gesenkt. Das entspricht einem NNT = 53. Allerdings bezieht sich diese Aussage nur auf drei (4 S, WOSCOPS und GREACE) von 34 Studien. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die GREACE-Studie (2002) mit 1 600 Patienten relativ klein war und an der WOSCOPS-Studie (1995) nur 6 595 Männer beteiligt waren. Frauen wurden nicht eingeschlossen, wohl auch im Hinblick darauf, dass Kannel et al. schon 1965 aus den Daten der Framingham-Studie schlussfolgerten, dass es bei Frauen keinen Zusammenhang zwischen Cholesterolspiegel und Koronarsklerose gibt. Auch aus der vorliegenden Metaanalyse lässt sich ableiten, dass die klinisch relevanten Endpunkte Gesamtsterblichkeit oder kardiovaskuläre Sterblichkeit nach einer lipidsenkenden Therapie im Vergleich zu Placebo nicht reduziert werden, wenn etwa die Hälfte der Studienteilnehmer Frauen sind, z. B. in ALLHAT-LLT (49 %), PROSPER (52 %), HOPE-3 (46 %).

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Fazit: Der Einsatz von Lipidsenkern (Statinen) sollte in jeder Hinsicht nur sehr zurückhaltend erfolgen! Das entspricht zwar nicht den Intentionen der pharmazeutischen Industrie, vieler Leitlinien-Autoren und anderer Meinungsbildner, schützt aber die Patienten und hilft ihnen.

Prof. Dr. med. Frank P. Meyer, 39164 Wanzleben-Börde

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