ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2018Beruflicher Wiedereinstieg: Praktische Hilfen beim Neustart

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Beruflicher Wiedereinstieg: Praktische Hilfen beim Neustart

Dtsch Arztebl 2018; 115(39): A-1718 / B-1448 / C-1434

Spielberg, Petra

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Ärztinnen und Ärzten, die sich fit für einen beruflichen Wiedereinstieg machen wollen, stehen unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung. Die Bandbreite der Angebote umfasst Beratungen, Repetitorien bis hin zu mehrwöchigen Wiedereinstiegskursen. Aber auch Eigeninitiative ist gefragt.

Wiedereinstiegskurse erleichtern den Schritt zurück in den Beruf, auch nach längerer Auszeit. Foto: jacoblund/iStockphoto
Wiedereinstiegskurse erleichtern den Schritt zurück in den Beruf, auch nach längerer Auszeit. Foto: jacoblund/iStockphoto

Sechzehn Jahre hat Claudia Korte nicht mehr als Ärztin gearbeitet, weil sie, wie so viele Frauen, ihre eigene Karriere dem Privatleben und der Familie untergeordnet hatte. Heute, mit 50 Jahren, ist die vierfache Mutter glücklich, die Rückkehr in den Beruf geschafft zu haben. Eine Lebenskrise und der Wille, wieder selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen, gaben den Ausschlag, diesen Schritt zu gehen.

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„Ich fand es immer schade, nicht mehr als Ärztin tätig zu sein“, sagt Korte. Doch bei vier Kindern fehlte ihr die Zeit, nebenher als Unfall- oder Allgemeinchirurgin zu arbeiten, wie sie es die ersten drei Jahre nach ihrem Studium getan hatte.

Zum Wiedereinstieg entschlossen war sie bereits schon vor sieben Jahren. Damals waren Kortes erste drei Kinder aus dem Gröbsten raus, sodass sie ihrem Ehemann, der sich 2005 als Mund-Kiefer-Gesichtschirurg in Soest niedergelassen hatte, seit einiger Zeit in der Praxis assistieren konnte. Ihre Aufgabengebiete beschränkten sich allerdings vornehmlich auf die Buchhaltung, Abrechnungen und steuerrechtliche Dinge. Ihre praktischen medizinischen Kenntnisse konnte sie nicht anwenden. Im Herbst 2011 nahm sie daher an einem Wiedereinstiegskurs der Ärztekammer Westfalen-Lippe teil. Kurz darauf wurde sie aber erneut schwanger, sodass sie den Kurs nicht beenden konnte.

Kurse für den Wiedereinstieg

Nach dem Scheitern ihrer Ehe im vergangenen Jahr wagte Korte dann einen zweiten Versuch. Diesmal fiel ihre Wahl auf den Mitte Januar 2018 stattfindenden zweiwöchigen Wiedereinstiegskurs der Kaiserin-Friedrich-Stiftung (KFS) in Berlin.

Korte hat ihre Wahl nicht bereut. „Die Referenten waren allesamt sehr kompetent und das Preis-Leistungs-Verhältnis unschlagbar“, so die Ärztin.

Die Wiedereinstiegskurse bei der KFS kosten dank finanzieller Unterstützung durch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), die damit auch dem Ärztemangel entgegenwirken will, rund 300 Euro. Als Referenten standen den Teilnehmern Berliner Hochschullehrer, Leitende Ärztinnen und Ärzte aus nahe gelegenen Krankenhäusern, niedergelassene Fachärzte und Vertreter ärztlicher Organisationen zur Verfügung.

Die etwa 50 Absolventen waren zwar überwiegend weiblich. Doch das Spektrum der Wiedereinsteiger hat sich in den letzten Jahren etwas gewandelt. „Nahmen früher fast ausschließlich Ärztinnen nach einer Babypause an den Kursen teil, sind es heute auch schon mal Männer, die nach einem Erziehungsurlaub wieder in den Beruf einsteigen wollen“, so Prof. Dr. med. Hans-Peter Vogel, stellvertretender Geschäftsführer der KFS.

Zur Zielgruppe der Wiedereinstiegskurse gehören ferner Ärztinnen und Ärzte, die sich innerhalb des Gesundheitswesens verändern und zum Beispiel wieder kurativ tätig werden wollen, wie Laborärzte oder solche, die als Entwicklungshelfer lange Zeit im Ausland tätig waren und dort nur elementarste medizinische Kenntnisse anwenden konnten.

Kostenübernahme möglich

Korte war mit ihren 50 Jahren zudem nicht die älteste Teilnehmerin. „Es waren auch ältere Kolleginnen aus dem Bereich Hygiene und Sozialmedizin da, die in den hausärztlichen Bereich wechseln wollten“, berichtet die Ärztin.

Die Ausrichtung des Kurses auf den Fächerkanon von Allgemein- und Innerer Medizin hält Korte für sehr sinnvoll, da hier der Ärztemangel und somit auch die Wiedereinstiegschancen am größten seien.

Ärztinnen und Ärzte, die für ein Wiedereinstiegsseminar nicht eigens nach Berlin reisen wollen oder können, haben die Möglichkeit, auch in anderen Landesteilen und bei anderen Anbietern ihr Wissen aufzufrischen. Die Bezirksärztekammer Nordbaden beispielsweise bietet seit 1993 ebenfalls Kurse an, in denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Kenntnisse gleich in mehreren medizinischen Fachgebieten aktualisieren können. Die Kurse sind aufgeteilt in zwei Blöcke von je zwei Wochen und richten sich an Interessenten aus ganz Deutschland sowie dem Ausland.

Da die Akademie für Ärztliche Fortbildung der Bezirksärztekammer Nordbaden zertifizierter Bildungsträger nach dem Bildungszeitgesetz Baden-Württemberg ist, besteht die Möglichkeit, für die Dauer des Kurses Bildungsurlaub zu nehmen. „Außerdem bietet die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg eine Kostenübernahme für diejenigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer an, die binnen 36 Monaten nach dem Kurs in der vertragsärztlichen Versorgung tätig werden“, sagt Dr. med. Oliver Erens, Sprecher der Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg.

Die Bezirksärztekammer Südwürttemberg bietet wiederum etwa fünfmal im Jahr ein Samstagsseminar „Allgemeinmedizin“ an, das sich ebenfalls an Wiedereinsteiger richtet.

In Hessen dagegen gibt es seit 2012 wegen der geringen Nachfrage keine speziellen Wiedereinstiegskurse mehr. Die Lan­des­ärz­te­kam­mer (LÄKH) steht Ärztinnen und Ärzten, die ihre berufliche Tätigkeit wieder aufnehmen wollen, aber beratend zur Seite, etwa an der Akademie für Ärztliche Fort- und Weiterbildung in Bad Nauheim.

„Wir empfehlen den Kolleginnen und Kollegen, die Rahmenbedingungen für den Wiedereinstieg zu planen“, betont der ehemalige Präsident der LÄKH, Dr. med. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach. So gelte es zu klären, ob sich Arbeitszeit und Arbeitsort mit den eigenen Vorstellungen und privaten Voraussetzungen vereinbaren lassen. Auch sollte im Vorfeld eine etwaige Kinderbetreuung geregelt werden. Und ganz wichtig sei natürlich die Frage, ob berufliche Kompetenzen aufgefrischt werden müssten. Damit der Wiedereinstieg einfacher wird, sollten sich Ärztinnen und Ärzte zudem während eines berufsfreien Intervalls beruflich fortbilden, rät von Knoblauch zu Hatzbach. Auch sei es hilfreich, den Kontakt zum alten Arbeitsplatz aufrechtzuerhalten.

Fortbildung erleichtert Rückkehr

Für Korte beispielsweise war es selbstverständlich, sich während ihrer beruflichen Auszeit durch Fortbildungen auf dem Laufenden zu halten. „Es hilft schon, wenn man am Ball bleibt“, sagt die Ärztin.

Für unbegründet hält sie die Sorge, einen Wiedereinstieg nicht zu schaffen. Der Kurs an der KFS habe ihr und den anderen Teilnehmerinnen viel Sicherheit gegeben und ihr ärztliches Selbstbewusstsein gestärkt.

Der Erfolg gibt ihr Recht. Seit Anfang Juni arbeitet Korte als Weiterbildungsassistentin in einer großen Hausarztpraxis in Soest und hofft, in rund vier Jahren ihren Facharzttitel für Allgemeinmedizin in der Tasche zu haben, um dauerhaft in der hausärztlichen Versorgung tätig sein zu können. Petra Spielberg

Angebote für den Wiedereinstieg

Die Kaiserin-Friedrich-Stiftung bietet Ärztinnen und Ärzten jährliche Wiedereinstiegskurse nach einem berufsfreiem Intervall. Die Kurse sind pharmaindustrie-unabhängig und beinhalten 70 Stunden Unterricht verteilt auf zwei Wochen. Inhaltlich umfassen sie die wichtigsten Gebiete der ärztlichen Grundversorgung. Die Teilnehmenden erhalten 72 Fortbildungspunkte.

Kaiserin-Friedrich-Stiftung für das ärztliche Fortbildungswesen, Berlin, E-Mail: c.schroeter@kaiserin-friedrich-stiftung.de.

www.Kaiserin-Friedrich-Stiftung.de


Die Kurse „Wiedereinstieg in den Arztberuf“ der Bezirksärztekammer Nordbaden umfassen eine Auffrischung in mehreren medizinischen Fachgebieten und sind aufgeteilt in zwei Blöcke zu je zwei Wochen. Diese können auch unabhängig voneinander gebucht werden.

Bezirksärztekammer Nordbaden, Karlsruhe, E-Mail: fortbildungsakademie@baek-nb.de.

http://daebl.de/VV97


Repetitorien dienen wiedereinstiegswilligen Ärztinnen und Ärzten zur Auffrischung ihrer Qualifikationen.

Akademie für Ärztliche Fort- und Weiterbildung der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen, Bad Nauheim, Telefon: 06032 782200.

www.laekh.de


Rheinland-pfälzischen Ärztinnen und Ärzten steht ein einwöchiger Wiedereinstiegskurs mit allgemeinmedizinischem Schwerpunkt zur Verfügung. Das Land fördert den Kurs im Rahmen des Zukunftsprogramms Gesundheit und Pflege 2020.

Akademie für Ärztliche Fortbildung der Lan­des­ärz­te­kam­mer Rheinland-Pfalz, Mainz, Telefon: 06131 284380.

http://daebl.de/RW43

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