ArchivDeutsches Ärzteblatt39/2018Investoren in der ambulanten Versorgung: Erst der Patient, dann die Ökonomie

POLITIK

Investoren in der ambulanten Versorgung: Erst der Patient, dann die Ökonomie

Dtsch Arztebl 2018; 115(39): A-1692

Montgomery, Frank Ulrich

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Um zu verhindern, dass Kapitalinteressen die Therapie bestimmen, muss der Gesetzgeber jetzt die Weichen stellen.

Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, Foto: dpa
Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Foto: dpa

Konzerninteressen und Renditestreben dürfen niemals über das Wohl von Patientinnen und Patienten gestellt werden. Das haben wir immer wieder eingefordert, zuletzt auf dem 121. Deutschen Ärztetag in Erfurt. Mit dem Entwurf für das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) nimmt der Gesetzgeber die wachsende Kommerzialisierung zum Beispiel durch Private- Equity-Unternehmen und internationale Investoren im ambulanten Bereich zumindest ansatzweise in den Blick. Der Entwurf sieht vor, dass die Gründung von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) durch Erbringer nichtärztlicher Dialyseleistungen auf fachbezogene MVZ beschränkt werden soll. Damit wird wenigstens punktuell einer unguten Entwicklung entgegengesteuert.

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Aber das reicht nicht. Es sind Regelungen zu prüfen, die Größe von MVZ und Ketten auf ein für die Versorgung sinnvolles Maß zu begrenzen. Vorstellbar ist auch eine zeitliche Begrenzung der Zulassung von MVZ. Auch darf der Aufkauf von Vertragsarztsitzen durch Fremdkapitalgeber und die alleinige Ansiedlung in finanziell lukrativen Regionen nicht dazu führen, dass die Versorgung in der Fläche leidet.

Es ist Zeit, dass sich die Politik auf den eigentlichen Sinn und Zweck von ärztlichen Kooperationen wie zum Beispiel im Rahmen von MVZ zurückbesinnt – eine Verbesserung der Versorgung von Patienten durch den Zusammenschluss von Ärzten, vor allem auch unterschiedlicher Fachrichtungen. Der Gesetzgeber sollte sich die Strukturen in der ambulanten Versorgung am Beispiel der MVZ genau ansehen und angesichts der sich schnell ändernden Verhältnisse in Richtung einer Marktkonzentration die dringend notwendigen gesetzgeberischen Gegenmaßnahmen im Sozial- und Wettbewerbsrecht einleiten. Das umfasst auch eine wissenschaftliche Beantwortung der Fragen, wer die eigentlichen Profiteure dieser Entwicklung sind und wie sich Profitstreben, Kettenbildung und regionale Konzentration auf die Patientenversorgung auswirken.

Eine qualitativ hochwertige Versorgung in Stadt und Land bedingt, dass Monopole vermieden und der freiberufliche Charakter der ärztlichen Tätigkeit sowie die Wahlfreiheit der Patienten erhalten werden. Wenn Versorgungsstrukturen renditeorientiert durch Private Equity konzentriert und dann, wie in der Finanz- und Immobilienwirtschaft nicht unüblich, alle drei bis vier Jahre an den Höchstbietenden weiterverkauft werden, mögen Finanzinvestoren profitieren, ganz sicher aber nicht die Patientinnen und Patienten.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Ökonomie hat auch in der Gesundheitsversorgung ihre Berechtigung. Aber die Ökonomie muss den Zielen der Medizin dienen – und nicht umgekehrt. Die Prioritäten müssen klar sein, erst der Patient, dann die Ökonomie.

Wie sich die Öko­nomi­sierung durch Fremdkapitalgeber auf die Patientenversorgung auswirkt, ist Thema der Veranstaltung „BÄK im Dialog“ am 17. November in Berlin.

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