ArchivDeutsches Ärzteblatt47/1999Hypothyreoidismus bei Schwangeren verzögert Entwicklung der Kinder

MEDIZIN: Referiert

Hypothyreoidismus bei Schwangeren verzögert Entwicklung der Kinder

Dtsch Arztebl 1999; 96(47): A-3042 / B-2449 / C-2207

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LNSLNS Der Zusammenhang zwischen einer Jodmangelhypothyreose in der Schwangerschaft und geistiger Behinderung der Kinder ist seit fast hundert Jahren bekannt. Doch auch eine Schilddrüsenunterfunktion anderen Ursprungs, zum Beispiel eine Autoimmunthyreoiditis bei Schwangeren kann zu einer schlechteren neuropsychologischen Entwicklung der Kinder führen - und das offenbar selbst, wenn es sich um eine so milde Form handelt, daß bei der Frau keine Symptome vorlagen.
Dies stellten die Autoren der Studie fest, indem sie Thyreotropin in gelagerten Serumproben von 25 216 Schwangeren - gewonnen zwischen Januar 1987 und März 1990 - untersuchten. Aus dieser Gruppe identifizierten sie 47 Frauen mit Thyreotropin-Werten oberhalt der 99,7. Perzentile sowie 15 Frauen mit Konzentrationen zwischen der 98. und 99,6. Perzentile und zusätzlich niedrigen Thyroxinwerten. 124 Schwangere mit Normwerten dienten als Kontrollgruppe.
Deren sieben- bis neunjährige Kinder, von denen bei keinem als Neugeborenes eine Hypothyreose auffiel, absolvierten 15 Tests zu Intelligenz, Aufmerksamkeit, Sprachentwicklung, Lesevermögen, schulischen Leistungen und visuell-motorischen Fähigkeiten. Die Kinder der 62 Frauen mit erhöhten SerumthyreotropinWerten schnitten durchweg etwas schlechter bei allen 15 Tests ab; ihre Intelligenzquotientwerte lagen im Durchschnitt vier Punkte unter denen der 124 Kinder von Frauen aus der Kontrollgruppe. Nachforschungen ergaben, daß bei 48 der 62 Frauen während der Schwangerschaft die Hypothyreose nicht behandelt worden war. Die IQ-Werte ihrer Kinder lagen im Schnitt sogar sieben Punkte unter denen der Kontrollgruppe.
Daher sprechen sich die Autoren für die Einführung eines Schilddrüsenfunktions-Screenings in der Frühschwangerschaft aus. Die hätte nicht nur einen Vorteil für die Kinder, sondern auch für die betroffenen Frauen selbst. Bei ihnen würde die Erkrankung, die zu Anfang eher unspezifisch verläuft, früher festgestellt.
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Haddow JE et al.: Maternal Thyroid deficiency during pregnancy and subsequent neuropsychological development of the child, N Engl J Med 1999; 341: 549-555.
Dr. Haddow, Foundation for Blood Research, 69 U. S. Rte 1, Scarborough, ME 04074, USA.

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