ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2018Harnwegskatheter: Auch bei kurzer Anwendung von Blasenkathetern gibt es häufig Komplikationen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Harnwegskatheter: Auch bei kurzer Anwendung von Blasenkathetern gibt es häufig Komplikationen

Dtsch Arztebl 2018; 115(40): A-1759 / B-1480 / C-1466

Gerste, Ronald D.

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Foto: mauritius images/Nucleus Medical Media Inc/Alamy
Foto: mauritius images/Nucleus Medical Media Inc/Alamy

Katheter der ableitenden Harnwege sind bei stationärer Versorgung weit verbreitet, auch in der Altenpflege. In einer multizentrischen Studien in den USA sind Komplikationen und Beschwerden bei Tragen eines Dauerkatheters untersucht worden.

An 4 Kliniken wurden 2 076 Patienten in einem Zeitraum von 14 Tagen und 30 Tagen kontaktiert, um Beschwerden und Komplikationen zu evaluieren – unabhängig davon, ob der Katheter noch lag oder zwischenzeitlich entfernt wurde. Die Patienten waren durchschnittlich 60,8 Jahre alt und zu 71 % männlich. Bei fast 4 Fünfteln war der Katheter kurzzeitig vor einem chirurgischen Eingriff gelegt worden.

1 184 der 2 076 Patienten (57 %; 95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [54,9; 53,2]) berichteten von mindestens einer Katheter-verursachten Komplikation. Eine Infektion hatten 219 Patienten (10,5 % [9,3; 12,0]) und diese traten bei Frauen häufiger auf als bei Männern (15,5 % vs.
8,6 %). Nicht-infektiöse Beschwerden waren somit circa 5 Mal häufiger als eine bakterielle Entzündung. Schmerz oder Dyskomfort verspürten 54,5 % der Patienten, solange sich der Katheter noch in der Urethra befand. In diesem Stadium hatten 34,7 % Blasenspasmen oder Harndruck, bei
24 % dauerten diese Beschwerden auch noch nach Katheterentfernung an. Blut im Urin beschrieben 27,4 % mit noch liegendem Katheter und 8,8 % nach der Entfernung. Einschränkungen im täglichen Leben bei noch liegendem Katheter nannten 39,5 %, eine Beeinträchtigung des sozialen Befindens 43,9 %.

Über eine Einschränkung des Sexuallebens nach Entfernung berichteten knapp 5 % der Befragten. Die Häufigkeit der Beschwerden nimmt mit der Liegedauer zu. Betrug sie 3 Tage und weniger, lag die Inzidenz einer Infektion bei 9,8 % und jene von nicht infektiösen Komplikationen bei 50,4 %. Lag der Katheter länger als 3 Tage, stiegen diese Zahlen auf 13,1 % und 71,1 %.

Fazit: „Allein die Einlage eines Dauerkatheters birgt Risiken und sehr viele Patienten leiden auch nach der Entfernung und nur bei einer kurzen Liegedauer unter lang anhaltenden Beschwerden, wie die Studie eindrücklich belegt“, erklärt Dr. med. Patrick Betschart, Oberarzt an der Klinik für Urologie des Kantonspitals St. Gallen. „Die Indikation muss daher möglichst restriktiv gestellt werden und der behandelnde Arzt sollte auch auf nicht Infekt-assoziierte Beschwerden achten.“ Dr. med. Ronald D. Gerste

Saint S, Trautner BW, Fowler KE et al.: A multicenter study of patient-reported infectious and noninfectious complications associated with indwelling urethral catheters. JAMA Intern Med 2018; 178: 1078–85.

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