ArchivDeutsches Ärzteblatt40/2018Niederlassung: Businessplan für die Arztpraxis

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Niederlassung: Businessplan für die Arztpraxis

Dtsch Arztebl 2018; 115(40): A-1768 / B-1486 / C-1472

Paland, Hartmut

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Ein Businessplan ist ein Instrument, um ein Gründungskonzept auf Herz und Nieren zu prüfen. Dabei können Existenzgründer an vielen Punkten auf spezialisierte Beratung zurückgreifen – sei es bei der Standortanalyse, der Kostenkalkulation oder der Personalstrategie.

Foto: Olivier Le Moal/stock.adobe.com
Foto: Olivier Le Moal/stock.adobe.com

Die Niederlassung in einer eigenen Praxis ist in der Regel mit Investitionen verbunden. Eigenkapital ist dabei nicht unbedingt nötig, es kann sogar betriebswirtschaftlich sinnvoller sein, die Niederlassung mit einem Kreditinstitut zu finanzieren. Doch welcher Zeitpunkt ist für das Gespräch mit der Bank der richtige? Grundsätzlich gilt: so früh wie möglich. Für das Erstgespräch ist kein bis ins Detail ausgefeilter Businessplan notwendig. Hilfreich ist es jedoch, ein Gründungskonzept zu haben, um sich über die eigenen Vorstellungen und Wünsche klar zu werden. Je nach persönlichen Präferenzen und geplantem Lebenslauf ist die Frage wichtig, ob der Mediziner allein oder mit anderen Ärzten eine Praxis führen möchte.

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Ebenso am Anfang steht die Frage nach dem Standort: Wo möchte, wo kann ich mich niederlassen – in einer Großstadt, einem kleineren Ort oder einer ländlichen Region? Die meisten Ärzte lassen sich nieder, indem sie eine bereits bestehende Praxis übernehmen oder als Partner einsteigen. Neugründungen finden inzwischen nur sporadisch statt: Laut einer Analyse der Deutschen Apotheker- und Ärztebank zu den ärztlichen Existenzgründungen im Jahr 2016 handelte es sich in fast 94 Prozent der Fälle um Übernahmen von Praxen oder Praxisanteilen. Entsprechend kann die Mehrheit der Existenzgründer auf bereits vorhandene Zahlen, Daten und Fakten zurückgreifen.

Mit einem Businessplan wird es konkret

Steht das erste Gründungskonzept und ist die Wunschpraxis oder der Standort für die Neugründung gefunden, kann die Planung weiter ins Detail gehen und in einem Businessplan festgehalten werden. Neben persönlichen Angaben rund um den schulischen und beruflichen Werdegang und zu den im Laufe der Zeit erworbenen Qualifikationen sind weitere Punkte wichtig, die einen Ausblick auf die künftige Praxis erlauben. So sollte die eigene Motivation für die Niederlassung kurz beschrieben werden. Sie lässt sich häufig aus den bisherigen Berufserfahrungen oder eigenen Vorstellungen zur Berufsausübung ableiten, beispielsweise dem Wunsch, unabhängiger bei der Gestaltung des Arbeitsalltags zu sein.

Daneben gehören in einen Businessplan Angaben zum Behandlungs- und Leistungsangebot. Sie werden im Wesentlichen durch die Fachrichtung bestimmt, können aber um Zusatzqualifikationen oder Kooperationen mit fachverwandten Bereichen ergänzt werden.

Auch Besonderheiten des eigenen Leistungsspektrums im Vergleich mit dem bereits vorhandenen Angebot an Gesundheitsversorgung in der betreffenden Region sollten aufgenommen werden. Hier kann der Praxisgründer sich durch etwaige Spezialisierung, aber auch bestimmte Behandlungsmethoden, eine besondere Praxisatmosphäre oder präventive Untersuchungsformen abgrenzen. Es ist ein Vorteil, sich durch ein gewisses Profil von anderen Arztpraxen abzuheben. Mit einer spezifischen Ausrichtung kann auch eine Kooperation mit niedergelassenen Ärzten aus der Region gut funktionieren.

Die Erreichbarkeit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln sowie genügend Parkplätze sind für den wirtschaftlichen Erfolg einer Arztpraxis nicht zu unterschätzen, darum sollten auch Angaben zum Praxisstandort nicht fehlen. Eine von Fußgängern stark frequentierte Lage kann von Vorteil sein. Relevant ist die Bevölkerungsstruktur im Einzugsgebiet, also zum Beispiel Daten zur Einwohner-Arzt-Relation, zur Altersverteilung oder zur Kaufkraft. Gründerberater können hier mit professionellen Tools behilflich sein und sogar die künftige Entwicklung eines Standorts und den erwarteten medizinischen Versorgungsbedarf ermitteln.

Ein weiterer Bestandteil des Businessplans sollten Maßnahmen zum Auf- beziehungsweise Ausbau des Patientenstamms sein. In den meisten Fällen werden Praxen durch Übernahmen gegründet – entsprechend ist ein gewisser Patientenstamm zu Beginn vorhanden. Trotzdem sollte der Praxisübernehmer überlegen, ob er sich beispielsweise den Patienten in einem Anschreiben kurz vorstellt oder ob und wie er Privatpatienten ansprechen möchte. Ein Konzept zum Praxismarketing hilft dabei. Darunter fallen unter anderem ein moderner Internetauftritt und die Auffindbarkeit im Netz. Auch eine gute Beschilderung der Praxis oder ein Eröffnungsevent verbunden mit einer Einladung der regionalen Presse sorgen für die erforderliche Aufmerksamkeit.

Praxisausstattung und Personal in die Kalkulation einbeziehen

Die Personalstrategie beschreibt das benötigte Personal, Konditionen wie Wochenstundenzahl und Gehälter sowie die entsprechenden Qualifikationen und die Aufgabenbereiche. Auch das Vorgehen zur Rekrutierung der Mitarbeiter sollte kurz erläutert werden beziehungsweise ob und wie das Praxisteam des Vorgängers eingesetzt werden kann.

Wichtig sind zudem Informationen zu Praxisräumen. Dazu gehören die Größe, Anzahl der Behandlungsräume, gegebenenfalls ein Grundriss der Räumlichkeiten sowie die Mietkosten, Informationen zur Mietvertragsdauer und möglichen Verlängerungsoptionen. Eng damit einher geht die Praxisausstattung: Die Grundausstattung einer jeden Facharztpraxis ist durch die Körperschaften vorgegeben. Fast immer sind aber auch zusätzliche, mehr oder weniger große Anschaffungen nötig, um die Praxis entsprechend dem individuellen Bedarf anzupassen und auszustatten. Bei Praxisübernahmen ist der Zustand der Praxis ausschlaggebend für die Kalkulation der Investitionskosten, also die technische Ausstattung sowie der eventuelle Renovierungsbedarf.

Kennzahlen zur Investitionsplanung

Schließlich ist auch die Absicherung der Praxis unerlässlich. Dazu gehören außer den praxisbezogenen Sachversicherungen wie die Praxisinventarversicherung auch sinnvolle Personenversicherungen wie die Berufshaftpflicht oder die Versicherungen gegen Berufsunfähigkeit und Todesfall. Ratsam sind zudem die langfristige Planung der Altersvorsorge und die Kalkulation der Beiträge für ein berufsständiges Versorgungswerk.

Aus all diesen Angaben ergeben sich bereits Kennzahlen, die in die Finanz- und Investitionsplanung einfließen. Vom Übernahmepreis über die Anschaffung benötigter Geräte bis zum neuen Praxisschild – also die Ausgaben, die für den Betriebsstart einer Praxis nötig sind. Hinzu kommt die Kostenkalkulation, die die laufenden Betriebsausgaben für Personal, Miete, Finanzierungskosten, Fortbildung und Versicherungen einbezieht. Ebenso sind die Tilgungsleistungen für Bankdarlehen zu berücksichtigen. Kalkuliert werden müssen auch die individuellen und persönlichen Lebenshaltungskosten. Auf dieser Basis kann die Einnahmenkalkulation erfolgen, die die Entwicklung der möglichen Einnahmen aus der selbstständigen Tätigkeit darstellt. Dafür sind die Erwartungen der Praxisgründer und ihre Vorstellungen zu Arbeitszeit, Verpflichtungen oder individuellen Lebensplänen wichtig. Letztendlich muss ermittelt werden, ob bei gegebener Investitions- und Kostenstruktur die erforderlichen Mindesteinnahmen realistisch mit dem Praxisbetrieb erwirtschaftet werden können. Hartmut Paland

Deutsche Apotheker- und Ärztebank

Das erste Jahr in der eigenen Praxis

Bis sich nach einer Praxisgründung oder Übernahme die KV-Abschläge „eingespielt“ haben, dauert es bis zu einem Jahr. Da aber die Betriebskosten bereits ab dem ersten Monat der Niederlassung anfallen, werden die Anlaufkosten mit einem sogenannten Betriebsmittelkredit vorfinanziert. Dieser ist immer auch ein Bestandteil einer ordentlichen Finanzplanung. Die optimale Höhe ergibt sich aus der Summe der Praxiskosten pro Monat multipliziert je nach Konstellation mit drei bis sechs Monaten. Betragen die kalkulierten monatlichen Ausgaben beispielsweise 15 000 Euro, dann benötigt der Praxisgründer für den reibungslosen Start einen Betriebsmittelkredit in Höhe von 45 000 bis 90 000 Euro.

Die Anlaufkosten können auch über ein mittelfristiges Darlehen finanziert werden. Üblich ist jedoch die flexiblere Variante der Betriebsmittelfinanzierung über das Praxiskonto. Hier wird ein jederzeit verfügbarer Dispositionsrahmen durch eine Bank zur Verfügung gestellt. Zinsen werden dann nur auf die Beträge berechnet, die auch tatsächlich in Anspruch genommen werden.

Zur Veranschaulichung dient im Folgenden eine Beispielrechnung für die Übernahme einer hausärztlichen Einzelpraxis. Die Durchschnittswerte ergeben sich aus der Analyse der von der Deutschen Apotheker- und Ärztebank finanzierten Existenzgründungen in den Jahren 2015 und 2016.

Übernahmepreis : 90 000

Modernisierung, medizintechnische Geräte, Einrichtung und
sonstige Investitionen: 44 000

Gesamtinvestitionen: 134 000

Betriebsmittelkredit: 37 000

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